Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-10390
For citation please use:
Main Title: Das Geschäftsmodell kollaborativer Innovation
Subtitle: eine empirische Analyse zu funktionalen Rollen in Quadruple‐Helix‐Innovationsprozessen
Translated Title: The business model of collaborative innovation
Translated Subtitle: an empirical analysis of functional roles in quadruple helix innovation processes
Author(s): Schütz, Florian
Referee(s): Ittel, Angela
Schraudner, Martina
Granting Institution: Technische Universität Berlin
Type: Doctoral Thesis
URI: https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/11508
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-10390
License: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/
Abstract: Ein leistungsstarkes, international wettbewerbsfähiges Innovationssystem setzt voraus, dass Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ihre Kräfte in neuartigen Innovationsprozessen vereinen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die nur im Zusammenwirken ihrer unterschiedlichen Perspektiven, Kompetenzen und Ressourcen möglich werden. Dieses Innovationsparadigma entwickelte sich erst im Laufe des letzten Jahrzehnts, ist heute auf deutscher und europäischer Ebene jedoch bereits prägend für die politische Steuerung des Innovationsgeschehens. Es gründet auf den heute gesteigerten Leistungsanforderungen an Forschung und Innovation, deren Güte sich nicht mehr alleine an Erkenntnisgewinn und Neuartigkeit bemisst, sondern zunehmend an ihrem weitreichenderen Nutzen. Forschung und Innovation sollen durch effektiven Wissens- und Technologietransfer die Wirtschaft stärken, mit disruptivem Potenzial und gleichsam auf verantwortliche Weise gesellschaftsrelevante Fragestellungen adressieren, transformativen Wandel anstoßen und damit zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen. Der Schlüssel, um all diesen Ansprüchen gerecht zu werden – darin stimmen politische Steuerungskonzepte und die Innovationsforschung überein –, heißt Kollaboration. Dem theoretischen Modell der Quadruple Helix folgend, sollen Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Zusammenspiel ihrer jeweiligen Stärken eine neue Qualität in Forschung und Innovation erzielen. In der Praxis bedeuten der Einbezug neuer Akteure in das Innovationsgeschehen und die Weiterentwicklung traditioneller organisationaler Innovationskonzepte hin zu einer kollaborativen Logik jedoch eine fundamentale Veränderung der Innovationsziele, der Innovationspraktiken und damit auch der Rolle jedes einzelnen Akteurs im Gefüge des Innovationssystems. Für diesen Transformationsprozess liefern weder der politische noch der wissenschaftliche Diskurs, die sich vor allem auf die Ebene des Innovationssystems beziehen, konkrete Ansatzpunkte, an denen sich die Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft orientieren können. Welche Rolle können und sollen Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Start-ups, Ministerien oder Bürgerinnen und Bürger heute und zukünftig in den neuen, kollaborativen Innovationsprozessen einnehmen? An dieser Frage setzt die vorliegende Dissertation an. Ihr Ziel ist es, ein tiefgehendes Verständnis dafür zu schaffen, in welcher Weise die zahlreichen und heterogenen Akteure in kollaborativen Innovationsprozessen nach dem Modell der Quadruple Helix zusammenwirken. Dazu wird das kollaborative Innovationshandeln unter einer Geschäftsmodell-Perspektive betrachtet: Mittels einer qualitativen empirischen Analyse von 17 Quadruple-Helix-Netzwerken wird zum einen erforscht, in welcher Architektur aus funktionalen Rollen die 184 in den Netzwerken involvierten Akteure zusammenwirken, um einen Innovationsmehrwert im Sinne der eingangs dargestellten neuen Leistungsanforderungen zu erzielen. Zum anderen wird untersucht, welche Ertragsmodelle die einzelnen Akteure zur Übernahme ihrer jeweiligen Rolle incentivieren. Durch einen neuen, für diese Arbeit eigens entwickelten methodischen Ansatz der empirisch begründeten Typenbildung gelingt es erstmals, 25 typische Rollen und deren Ertragsmodelle zu beschreiben und damit aufzuzeigen, wie kollaborative Forschungs- und Innovationsprozesse auf Akteurs-Ebene funktionieren. Dies bildet den empirischen Kern der Dissertation. In drei daran anschließenden empirischen Studien wird das Verständnis bezüglich des Geschäftsmodells kollaborativer Innovation weiter vertieft: Mit einem Blick in unterschiedliche, auf Forschung und Entwicklung ausgerichtete Unternehmen und Forschungseinrichtungen untersucht die erste Studie, inwieweit das kollaborative Innovationsparadigma aus Innovationsforschung und Innovationspolitik bereits Eingang in die Innovationspraxis gefunden hat. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass organisationale Logiken das Innovationshandeln in den untersuchten Unternehmen und Forschungseinrichtungen weiterhin prägen. Jedoch besteht ein deutliches Bewusstsein für die eingeschränkte Leistungsfähigkeit derartiger Innovationsprozesse sowie für die Mehrwerte kollaborativer Ansätze. Aus dem Bestreben, die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der eigenen Organisation zu sichern, resultiert ein hohes Interesse – insbesondere der Unternehmen – an kollaborativer Innovation. Dieses Interesse mündet in der Praxis jedoch in ein Phänomen, welches in der Studie als neue lineare Innovationsprozesse bezeichnet und bezüglich seines Innovationsmehrwertes kritisch reflektiert wird. Die zweite Studie analysiert die Rolle der Gesellschaft als neustes der vier Teilsysteme der Quadruple Helix und beleuchtet vor allem das kontroverse Rollenverhältnis zwischen wissenschaftlichen Expertinnen und Experten und außerwissenschaftlichen, gesellschaftlichen Akteuren. Die Ergebnisse zeigen auf, dass das gesellschaftliche Bedürfnis nach Partizipation in Forschung und Innovation nicht als Wunsch nach deren Demokratisierung fehlinterpretiert werden sollte. Stattdessen erhoffen sich die befragten gesellschaftlichen Akteure den bidirektionalen Dialog mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Forschung über mögliche und wünschbare Zukünfte. Sich selbst sehen sie dabei in der Rolle eines "gesellschaftlichen Sensors". Die Studie trägt durch die Klärung der durch die Gesellschaft in kollaborativen Innovationsprozessen favorisierten Rolle dazu bei, Abwehrhaltungen gegen partizipative Ansätze – insbesondere auf Seiten der Wissenschaft – zu verringern. Mit einer Typologie von gesellschaftlichen Teilnehmenden kollaborativer Prozesse gibt sie darüber hinaus Hinweise zur Gestaltung geeigneter Ertragsmodelle für den Einbezug der Zivilgesellschaft in Forschung und Innovation. In der dritten Studie werden die Herausforderungen und Potenziale des neuen Innovationsparadigmas für Forschungseinrichtungen beleuchtet, die traditionell als zentraler Akteur des Forschungs- und Innovationsgeschehens fungierten. In der Analyse zeigt sich, dass sich Universitäten und Forschungsorganisationen bereits in unterschiedlichen Rollen in kollaborative Innovationsprozesse einbringen. Jedoch wird auch deutlich, dass heute heterogene Akteure des Innovationssystems Funktionen im Innovationsprozess übernehmen, die vormals alleine den Forschungseinrichtungen vorbehalten waren. In Konkurrenz mit außerwissenschaftlichen Wissensquellen wächst der Druck auf die etablierten Forschungseinrichtungen, ihr eigenes Geschäftsmodell für Forschung und Innovation weiterzuentwickeln und in kollaborativen Prozessen auch neue Rollen zu übernehmen. Die starre Logik des Wissenschaftssystems und das Fehlen für kollaborative Innovationsprozesse geeigneter Ertragsmodelle, die sich an den Relevanzen der Forschung orientieren, führen jedoch dazu, dass der Sprung von bilateralen Push- und Pull-Kooperationen zu Quadruple-Helix-Kollaborationen für Forschungseinrichtungen eine große Herausforderung darstellt. Die Ergebnisse der Untersuchung verweisen auf mögliche neue Rollen für Universitäten und Forschungsorganisationen, deren künftige Übernahme ein Potenzial für die Qualität kollaborativer Innovation und die Leistungsfähigkeit des Innovationssystems darstellt. Durch ihren hohen empirischen Gehalt schafft die vorliegende Arbeit ein Verständnis für das Geschäftsmodell kollaborativer Forschung und Innovation und liefert Erkenntnisse über die Akteurs-Ebene der Quadruple Helix, die deutlich über bisherige wissenschaftliche Arbeiten hinausgehen. Die Analyse und Beschreibung des Zusammenspiels heterogener Rollen veranschaulicht die Funktionsweise kollaborativer Innovationsprozesse und weist gleichzeitig auf deren Herausforderungen hin. Damit leistet die vorliegende Dissertation einen entscheidenden Beitrag, um das theoretische Quadruple-Helix-Modell zu einem empirischen Modell weiterzuentwickeln. Aus den empirischen Ergebnissen werden Implikationen für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft abgeleitet, die aufzeigen, wie eine kollaborative Geschäftsmodell-Logik zukünftig nicht nur theoretisch, sondern praktisch im deutschen Innovationssystem verankert werden kann. Mit einem wissenschaftlich fundierten Tool zur Analyse und Gestaltung von Innovationsnetzwerken, wird die Innovationspraxis darin unterstützt, ihrem kollaborativen Innovationshandeln zukünftig eine reflektierte Geschäftsmodell-Logik zugrunde zu legen und alle relevanten Potenziale des Innovationssystems auszuschöpfen.
An effective, internationally competitive innovation system depends on novel innovation processes through which academic research, business, government and society combine their respective perspectives, expertise and resources in the joint development of solutions that would not have come about otherwise. Despite only having arisen in the course of the past decade, this innovation paradigm is already shaping not only German but also European innovation policy. This is in keeping with the increased demands placed on research and innovation, the value of which is no longer measured purely in terms of knowledge gain and technological novelty, but rather in terms of broader impact. Research and innovation are expected to strengthen the economy through effective knowledge and technology transfer, to harness disruptive potential in addressing socially relevant issues while doing so responsibly, and to instigate transformative change, thus helping to solve major societal challenges. The key to meeting all of these demands – and here research policy and innovation research are in agreement – is collaboration. In accordance with the theoretical Quadruple Helix model, the interplay of the respective strengths of academic, business, government and societal actors should improve the overall quality of research and innovation. In practice, the involvement of new actors and the move away from traditional organisation-centric approaches towards a collaborative understanding of innovation entail certain fundamental changes – to the goals of innovation, to the ways innovation is realised in practice, and to the roles of individual actors within the innovation system. Yet when it comes to this transformation process, specific practical guidance for academic, business, government and societal actors is conspicuously absent from policy and academic discourse, both of which primarily deal with innovation systems at the macro level. In these new, collaborative innovation processes, what roles can and should be taken up by research institutions, start-ups and other companies, government departments and members of the public, both now and in the future? This question forms the starting point of this dissertation, which aims to establish a deeper understanding of the ways in which the numerous heterogeneous actors involved in collaborative innovation processes cooperate in accordance with the Quadruple Helix model. To this end, collaborative innovation practices are examined from a business model perspective. A qualitative empirical analysis of 17 Quadruple Helix networks is used to identify the architecture of functional roles via which the 184 involved actors aim to meet the aforementioned current demands placed on innovation, as well as the profit models that incentivise individual actors to take up their respective roles. A new method of empirically grounded typology construction, specially developed for this project, makes it possible to describe 25 typical roles and their accompanying profit models, and thus to demonstrate for the first time how collaborative research and innovation processes function on actor level. This forms the empirical core of the dissertation. Three subsequent empirical studies provide an even deeper understanding of the business model underlying collaborative innovation. Looking at various research and development-oriented companies and research institutions, the first study examines the extent to which the collaborative innovation paradigm has made its way from innovation research and policy into innovation practice. The findings clearly show that within the investigated companies and research institutions, innovation processes are still shaped by organisation-centric principles. At the same time, there is a marked awareness of the limited efficacy of such innovation processes, and of the value that can instead be created via collaborative approaches. Respondents‘ desire to ensure the competitiveness and future viability of their respective organisations can be seen to result in a pronounced interest in collaborative innovation, especially on the part of the companies that form part of the study. Nonetheless, in practice this has given rise to what can be called new linear innovation processes, which are likely to be of limited benefit with respect to the creation of new value within innovation. The second study analyses the role of society as the newest of the four subsystems of the Quadruple Helix, looking in particular at the controversial distribution of roles between experts from the academic sector on the one hand, and non-specialist societal actors on the other. The findings indicate that the societal sector‘s desire to participate in research and innovation should not be misinterpreted as a wish for these processes to be democratised. Instead, the societal actors who took part in the study express an interest in bidirectional dialogue regarding possible and desirable futures with experts from the field of academic research. In this kind of exchange, they see their own role as that of „societal sensor“, reflecting and giving voice to society‘s needs and ethical concerns with respect to innovation. In thus clarifying the preferred role of societal actors in collaborative innovation processes, this study should help diminish resistance to participatory approaches, especially on the part of academic actors. Moreover, the resultant typology of societal participants in collaborative processes can aid in the creation of appropriate profit models for the inclusion of civil society in research and innovation. In the third study, the focus falls on challenges and opportunities the above-mentioned new innovation paradigm holds for research institutions, which have traditionally occupied a central position in research and innovation. The analysis reveals that universities and research organisations have been contributing to collaborative innovation processes in a variety of roles. At the same time it becomes clear that current innovation systems see a range of heterogeneous actors performing functions that were previously the exclusive domain of research institutions. Given that they are now competing with sources of knowledge from outside the academic sector, established research institutions find themselves under increasing pressure to rethink their research and innovation business models and to take up new roles in collaborative processes. However, due to the rigid nature of the academic system and a lack of suitable incentive models for collaboration that take the realities of said system into account, the leap from bilateral push-pull cooperation to Quadruple Helix-collaboration poses a significant challenge for research institutions. Nonetheless, the study‘s findings point towards potential new roles through which universities and research organisations could in future contribute to improved collaborative innovation, and thus to the establishment of a more effective innovation system. Thanks to its extensive empirical basis, this dissertation is able to construct an understanding of the business model underlying collaborative research and innovation, and to attain insights into Quadruple Helix systems at actor level that far exceed the state of research on the topic. The presented analysis and description of the interplay between heterogeneous roles illustrate how collaborative innovation processes function, while simultaneously highlighting the challenges these processes entail – thus constituting an important contribution towards further development of the theoretical Quadruple Helix model into an empirical model. The implications of the empirical findings for academic research, business, government and society show how in future, collaborative innovation strategies can be not only theoretically but above all practically embedded in the German innovation system. Lastly, the scientifically sound tool for analysing and shaping innovation networks presented herein can aid the establishment of well-founded business model principles to govern future collaborative innovation processes, which would in turn make it possible to harness the full potential of the innovation system.
Subject(s): Innovation
Quadrupel-Helix
Innovationsökosysteme
kollaborative Innovation
innovation
quadruple helix
innovation ecosystems
collaborative innovation
Issue Date: 2020
Date Available: 3-Aug-2020
Exam Date: 11-Jun-2020
Has Part: 10.14279/depositonce-11195
Language Code: de
DDC Class: 300 Sozialwissenschaften
320 Politikwissenschaft
TU Affiliation(s): Fak. 1 Geistes- und Bildungswissenschaften » Inst. Erziehungswissenschaft » FG Pädagogische Psychologie
Appears in Collections:Technische Universität Berlin » Publications

Files in This Item:
schuetz_florian.pdf
Format: Adobe PDF | Size: 20.5 MB
DownloadShow Preview
Thumbnail

Item Export Bar

This item is licensed under a Creative Commons License Creative Commons