Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1142
Main Title: Atmosphäre als partizipative Entwurfsstrategie
Translated Title: Atmosphere as Participatory Design Strategy
Author(s): Hofmann, Susanne
Advisor(s): Schäfer, Rudolf
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: Eine Gesellschaft von in zunehmendem Maße emanzipierten Menschen beansprucht immer stärker auch die Teilhabe an der Gestaltung ihrer gebauten Umwelt. Ziel dieser Arbeit ist es, eine neue Form der Nutzerpartizipation am architektonischen Entwurf zu konzipieren, zu praktizieren und begleitend wissenschaftlich zu reflektieren. Sie gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Der theoretische Teil basiert auf einem vielfältigen Literaturstudium und Interviews. Der empirische Teil reflektiert die theoretischen Untersuchungen anhand von eigens konzipierten, durchgeführten und nachbereiteten Seminarübungen sowie Fallbeispielen aus dem von der Verfasserin initiierten Studienprojekt "Die Baupiloten" sowie ihrer Architekturpraxis. Aus der theoretischen Auseinandersetzung konnten drei Thesen abgeleitet werden, die im Weiteren empirisch untersucht wurden: These 1: Partizipative Entwurfsstrategien brauchen die Kommunikation über Raumatmosphären und deren Qualitäten zur Schaffung und zur Sicherung einer Identität stiftenden Architektur. These 2: Die Kommunikation über Atmosphären sichert die Rückkopplung im Entwurfsprozess mit dem Nutzer. These 3: Die Kommunikation über Atmosphären öffnet dem Architekten die Wunschwelt des Nutzers. Diese Erkenntnis versetzt ihn in die Lage, diese Wünsche zu abstrahieren und zu modifizieren und den rationalen Anforderungen der Richtlinien, Bestimmungen und Budgetforderungen ohne Substanz- und Identitätsverlust anzupassen. Die empirischen Untersuchungen gliedern sich in propädeutische Übungen und in Fallbeispiele. Mit Studierenden wurde in propädeutischen Übungen an fiktiven Projekten und in Einzelaspekten empirisch untersucht, wie atmosphärische Raumqualitäten wahrgenommen, analysiert, erfasst, dokumentiert und kommuniziert werden können. Ganzheitlicher konnten die aufgestellten Thesen an Baumaßnahmen oder Gutachten mit eigens dafür konzipierten Partizipationsprozessen untersucht werden. Für die Partizipationsprozesse wurden Bausteine konzipiert, die je nach Problemlage eingesetzt, modifiziert und ergänzt wurden: Alltagsprotokolle halten Erkenntnisse aus den Beobachtungen von Handlungsabläufen oder Ritualen der Benutzung fest. Sie bilden eine faktische Entwurfsbasis und geben den Entwerfenden außerdem ein Gefühl für die Nutzer und deren Alltag. Ein wichtiger Baustein des Partizipationsprozesses ist der Initialworkshop. Nach einer auf die Baumaßnahme abgestimmte Aufgabenstellung erarbeiten die Nutzer spielerisch atmosphärische Wunschwelten. Dabei ist für den Erfolg des Workshops entscheidend, dass die Teilnehmer sich aus ihren Alltagswelten heraus begeben und sich mit möglichst freier Inspiration ihren tatsächlich und vielleicht unbewussten Wunschvorstellungen öffnen. Ein nächster wichtiger Schritt ist die Reaktion der Entwerfenden auf die Workshopergebnisse und die Rückkopplung ihrer Ideen mit den Nutzern. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die gegenseitige Vermittlung der von den Nutzern gewünschten und der von den Entwerfenden konzipierten Raumatmosphäre mit wiederum atmosphärisch wirksamen Instrumenten und Methoden. Ziel dieses Rückkopplungsprozesses ist zunächst die Verständigung auf eine gemeinsame Fiktion oder Geschichte, aus der sich schrittweise das architektonische Konzept heraus kristallisiert. Aus dem so abgeleiteten architektonischen Konzept entwickeln die Entwerfenden in einer immer weiter verfeinerten Rückkopplung, die architektonische Entsprechung der Nutzer-Wunschwelten im Rahmen der programmatischen, funktionalen, technischen und ökonomischen Anforderungen der Baumaßnahme. Der Entwurf entsteht unter Teilhabe der Nutzer im Spannungsfeld zwischen Fiktion und Realität. Die empirische Untersuchung konnte die aufgestellten Thesen bestätigen. In jedem der aufgezeigten Schritte spielten die Kommunikation über Atmosphären und/oder Atmosphären als Kommunikationsmittel eine wichtige Rolle. Aus den mit dieser Arbeit gewonnenen Erkenntnissen ergaben sich auch neue Perspektiven für die Forschung, Lehre und Berufspraxis. Die partizipatorische Arbeit sollte in der Berufspraxis von Architekten als eine erweiterte Grundlagenermittlung angesehen werden und entsprechend im Leistungsbild der Honorarordnung verankert werden. Für eine so veränderte Entwurfshaltung sollte auch das Wesen von Architekturwettbewerben reformiert werden. Für die Lehre partizipativer Entwurfsstrategien im Architekturstudium ist der Praxisbezug unabdingbar. Aus dem Ansatz des forschenden Entwerfens (Design by Research / Research by Design) ergibt sich auch eine Perspektive für die Entwurfsforschung. Dieser Entwurfsansatz impliziert einen interdisziplinären reflexiven Arbeitsansatz, der die oft gewünschte wissenschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen nahe legt.
Society, with a growing number of emancipated people, is increasingly demanding to participate in the formation of its built environment. The aim of this dissertation is to conceptualize, put into practice, and reflect academically on a new form of user participation in architectural design. The dissertation constitutes a theoretical and an empirical component. The theoretical component is based on a multifaceted study of literature and interviews. The empirical section analyses theoretical research using self devised, implemented and evaluated workshops and seminars in addition to live case studies from the author's initiated design-build project "die Baupiloten" and her architectural practice. From the theoretical analyses, three theses were deduced which could be further empirically investigated: Thesis 1: Participative design strategies require a discourse about spatial atmospheres and their qualities in order to create a resonant architecture. Thesis 2: Communication about atmospheres ensures feedback from the user in the design process. Thesis 3: Using atmosphere as a means of communication allows the architect to access the user’s world of desires. This knowledge enables them to abstract and develop the user’s wishes in parallel with the more pragmatic demands, such as building regulations and budget restrictions, without losing a sense of the projects essence and identity The empirical analysis comprises propaedeutic exercises and case-studies: Propaedeutic tasks on fictional projects were carried out with architecture students to explore particular aspects of the theses. They explored how atmospheric spatial qualities could be perceived, analysed, determined, documented and communicated with architects, architectural students and people without architectural knowledge. The established theses were thoroughly explored through actual building projects or feasibility studies with a specifically conceived participatory process. The participatory process is comprised of a series of modules which could be adopted, modified or supplemented depending on the project: Invaluable knowledge is gained in the first module through observing and documenting the user’s everyday rituals and routines. This informs the foundation of the design and gives designers a sense of the user’s needs. An important module in the participatory process is the initial project tailored workshop where the users playfully develop atmospheric imaginary worlds. The success of the workshop lies in its abilitiy to remove the participants from the everyday in order to reveal their actual and perhaps unconscious desires without preconceptions. The subsequent important step is the designer's reaction to the workshop results and the user’s feedback to their ideas. An essential role is played by the mutual exchange, using atmospheric-effectual design tools and methods, between the user's desired and the designer's conceived spatial atmosphere The initial aim of the feedback process is the derivation of a shared fiction or story, upon which step-by-step, an architectural concept evolves. From the derived architectural concept, the designers develop the architectural translation of the user’s imaginary world within the project’s programmatic, functional, technical and economic requirements through an increasingly refined feedback process. The design emerges between the divergent realms of fiction and reality The empirical investigations supported the previously established theses. In each of the aforementioned stages, the communication about atmospheres and/or atmospheres as a means of communication played an important role. The knowledge acquired in this dissertation also offers new perspectives on practice, teaching and research: User participation should be regarded as an extended part of the preliminary-design evaluation in the professional practice of architects, and should be accordingly represented in the fee structure. For such an augmented design approach, the nature of architectural competitions must also be reformed. Real life contexts are indispensable in the teaching of participatory design strategies in architectural education. New potential fields of research arise through a "Research by Design / Design by Research" approach. This method implies an interdisciplinary, reflective design approach; one which facilitates scientific collaboration with other disciplines either through joint research or continuous appraisal of the design with the relevant disciplines.
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus-40504
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/1439
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1142
Exam Date: 21-Sep-2012
Issue Date: 21-Jun-2013
Date Available: 21-Jun-2013
DDC Class: 720 Architektur
Subject(s): Architektur
Atmosphäre
Entwerfen
Experten
Kommunikation
Laien
Partizipation
Architecture
Atmosphere
Communication
Design
Expert
Layman
Participation
Usage rights: Terms of German Copyright Law
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