Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1394
Main Title: Grammatik und Stil: Das Passiv als stilistisches Mittel im Vergleich zu konkurrierenden grammatischen Konstruktionen
Translated Title: A Corpus-based Study of the Passive and its Functions in Present-day German Legal Language
Author(s): Lenz, Magdalena
Advisor(s): Braun, Friedrich
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät I - Geisteswissenschaften
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: Hauptziel der Untersuchung ist die Einordnung, Zusammenfassung und genaue Analyse der passivischen Ausdrücke in der Fachsprache JURA sowohl nach syntaktischen, semantischen und pragmatischen Kriterien als auch unter Einbeziehung der Wortbildung. Als passivisch gelten alle sprachlichen Mittel, bei denen das grammatische Subjekt die von der Verbalhandlung betroffene Größe darstellt, wobei die handelnde Person zumeist außer Betracht bleibt (agensabgewandt). Konstruktionen und Wortbildungselemente, die die Merkmale der Passivität aufweisen, lassen sich in 2 Gruppen einteilen. Den Kern des Passivfeldes bildet die systematisierte und grammatikalisierte Passivkonstruktion (werden + Partizip II). Zur Peripherie des Passiv-Feldes gehören Ausdrücke, die weitere modale, aspektuelle Bedeutungsmerkmale enthalten und sich in manchen Fällen in den syntaktischen Realisierungen von Ergänzungen des Valenzträgers unterscheiden. Es handelt sich um folgende Konstruktionen: sein + Partizip II, sein + zu + Infinitiv, sich lassen + Infinitiv, sein + Adjektiv auf -bar, -lich, -pflichtig, -bedürftig, -wert, -würdig, Reflexivpronomen + Verb, passivwertige Funktionsverbgefüge und Partizipien. Untersuchungskorpus der Dissertation bilden juristische Texte, nach dem Fachlichkeitsgrad in drei Ebenen gegliedert: fachinterne Ebene, fachexterne Ebene, Presseberichte mit Berichterstattung über Gerichtsverfahren. Ergebnisse: Affiziertheit ist für die Kennzeichnung der grammatischen Konstruktionen von Bedeutung. Das trifft vor allem auf die Fügung lassen + sich +Infinitiv zu, bei persönlichen Subjekten mit passivischer und gleichzeitig permissiver und/oder kausativer Lesart , sein-Passiv und Partizipialattribute ohne Ergänzung. Eine notwendige Bedingung für die Erzeugung dieser Konstruktionen ist, dass das Verb des zugrundeliegenden Satzes als affizierend spezifiziert ist, z.B.: Das Kind wurde/*war an der Hand gefasst. Er wurde/ war aufgefordert. Er wurde/*war gebeten. Als Träger der Aktionsarten treten Funktionsverbgefüge auf, bei denen der Prozess der Grammatikalisierung des Funktionsverbs und der Lexikalisierung des gesamten Funktionsverbgefüges unterschiedlich weit fortgeschritten ist, z.B.: in Gefahr kommen/ zum Abschluss kommen/ zur Sprache kommen. Die häufigsten Funktionsverben sind: kommen, gelangen, geraten/ bringen; stehen/stellen; sein, sich befinden/ setzen; finden, erfahren, erfolgen, bekommen, erhalten, bedürfen, unterliegen. Die Leistung der Suffixe und Halbsuffixe (-bar, -lich, etc.), mit denen passivische Adjektive gebildet werden, kennzeichnen das durch das Basiswort benannte Geschehen als möglich oder in einem bestimmten Sinne oder Grade erforderlich, z.B.: Der Betreiber/ das Vorhaben ist anmeldepflichtig. (aktivisch/passivisch) Da viele Merkmale passivischer Strukturen als ein Grund für die Unverständlichkeit der Rechtssprache betrachtet und vielfach vorschnell zur Zielscheibe der Kritik werden, ist es wichtig, ihre Funktion im Text zu verstehen, nämlich einer Erhöhung der Präzision und Eindeutigkeit zu dienen und Kohärenz durch Konstruktions-Parallelismus herzustellen.
This study of passive constructions and phrases in German legal language analyses syntactic, semantic and pragmatic conditions of use and also deals with some areas of word-formation, especially adjective-formation, and phraseology, especially phrasal verbs consisting of a general-purpose verb and a deverbal abstract noun. Passive constructions are defined as those which contain a grammtaical subject which refers to a participant effected or affected by the action or process expressed by the veb. The agent is often, and in some passive constructions always, omitted. The prototype of these constructions is the systematised and fully grammaticalised passive construction using the auxiliary 'werden' and the second participle. Around this prototype we find in the periphery of the passive field constructions with additional modal and / or aspectual features and sometimes with different arrangements of the other constituents of the construction. This periphery includes : sein + Participle 2; sein + zu + Infinitive; sich lassen + Infinitve; sein + Adjective ending in -bar, -lich, -pflichtig, -bedürftig, -wert, -würdig; Reflexive Pronoun + Active Form of the Verb; Phrasal Verbs and Participles used with Passive Diathesis. The corpus analysed consists of legal texts totalling two million words grouped into three subcorpora: (a) texts written by experts and addressed to experts, (b) texts intended also for non-experts, and (c) case-reports found in the general press. Results: (Degree of) affectedness is a pertinent feature determining the use of passive constructions. This applies to (a) constructions with sich lassen + infinitive, (b) passive constructions with a personal subject and with a permissive or causative interpretation, (c) the passive with sein, and (d) unmodified, i.e. unexpanded, participial attributes. These constructions can be used only if the verb of the underlying sentence is specified as +affecting: Er wurde/ war aufgefordert. Er wurde/*war gebeten. Phrasal verbs consisting of verb + deverbal noun show different degrees of lexicalisation and the general-purpose verbs involved show different degrees of grammaticalisation: in Gefahr kommen/ zum Abschluss kommen/ zur Sprache kommen. The most common of these verbs found in the corpus are: kommen, gelangen, geraten / bringen; stehen / stellen; sein, sich befinden / setzen; finden, erfahren, erfolgen, bekommen, erhalten, bedürfen, unterliegen. Suffixes and semisuffixes (-bar, -lich, etc.) used in forming passive adjectives characterise the verbal event or process as possible or necessary in some sense or to some degree. Many features of passive constructions and phrasal expressions in legal language have been criticised as jargon making texts unnecessarily difficult. It is important to consider the function of these constructions in texts where they actually serve to increase precision, to avoid ambiguity, and to create coherence through constructional parallelism.
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus-13291
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/1691
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1394
Exam Date: 18-May-2006
Issue Date: 10-Jul-2006
Date Available: 10-Jul-2006
DDC Class: 400 Sprache
Subject(s): Funktionsverbgefüge
Grammatikalisierung
Lexikalisierung
Passiv
Grammaticalisation
Lexicalisation
Passive
Phraseology
Usage rights: Terms of German Copyright Law
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