Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1437
Main Title: Der Apollontempel von Didyma - Analyse einer pythagoreisch-platonischen Entwurfskonzeption
Translated Title: The Didyma Temple of Apollo - Harmonic Theory in Greek Architecture
Author(s): Birnbaum, Jens
Advisor(s): Cramer, Johannes
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: Der durch seinen guten Erhaltungszustand weitgehend rekonstruierbare Apollontempel von Didyma hat eine prominente Forschungsgeschichte, dennoch konnten seine Maßverhältnisse bislang nicht geklärt werden. Mit dieser Arbeit soll nun die Frage nach dem Proportionsgefüge des Tempels auf anderem Wege beantwortet werden. Ausgangspunkt dafür war eine Maßanalyse im metrischen System, in der sich für alle wichtigen Rechteckdimensionen des Grundrisses rationale Zahlenverhältnisse feststellen ließen. Gemeinsam ist diesen Verhältnissen, dass sie der pythagoreischen Skala entstammen und sich damit alle in musikalische Intervalle übersetzen lassen. Trägt man die auf diese Weise im Grundriss gefundenen harmonikalen Zahlenverhältnisse auf Platons Timaios-Tonleiter an, so ergibt sich eine klare Hierarchie. Die Reihenfolge in der die Intervalle auf der Tonleiter von oben nach unten stehen, entspricht dabei konsequent der Reihenfolge in der die Räume des Tempels erschlossen werden. Aus dieser Beobachtung ergibt sich eine klar umrissene Fragestellung. Wurde die Timaios-Tonleiter und folglich auch ihr philosophischer Kontext dem Tempel als Entwurfskonzeption zugrunde gelegt? Die entscheidende Quelle für die Beantwortung dieser Frage kann nur das Gebäude selbst sein, weshalb der Tempel einer umfassenden Entwurfsanalyse unterzogen wurde. Für eine solche Untersuchung bieten sich in Didyma auf Grund der dichten Befundlage hervorragende Voraussetzungen. Ein wesentliches Ergebnis der Bauanalyse ist die Bestätigung des antiken Baumaßes des Tempels, welches in logischen Zusammenhang mit dem geometrischen Konzept des Grundrisses gebracht werden konnte. Der Entwurfsprozess des Tempels lässt sich auf diese Weise lückenlos nachvollziehen, darüber hinaus lassen sich alle rationalen Rechteckverhältnisse der vermuteten Konzeption auch im Fußmaßsystem nachweisen. Das harmonikale Thema des Grundrisses ist auch in den Proportionen der einzelnen Bauglieder nachvollziehbar und wurde im Entwurf mit größter Konsequenz bis ins Detail geführt. Die in der Fragestellung vermutete Konzeption des Grundrisses nach der Timaios-Tonleiter von Platon kann durch die Analyse des Tempels klar bestätigt werden, womit dem Tempel ein zentrales Element platonischer Kosmologie zugrunde liegt. Bemerkenswert und über den bisherigen Forschungsstand hinausweisend ist, dass die nachweisbaren Zahlenverhältnisse ein so konsequentes System zeigen, dass eine Interpretation der Zahlen im Zusammenhang mit der pythagoreisch-platonischen Zahlenlehre bis ins Detail möglich ist. Die Einordnung dieses Phänomens in seinen philosophischen, musiktheoretischen und architektonischen Kontext vor dem Hintergrund antiker Schriftquellen ist neben der Bauforschung ein wesentlicher Aspekt dieser Arbeit. Das Entwurfskonzept des Didymaions wirft in seiner Stringenz ein völlig neues Licht auf den späten griechischen Tempelbau. Die noch immer verbreitete Einordnung hellenistischer Architektur als Dekadenzform der Klassik lässt sich vor diesem Hintergrund nicht aufrechterhalten. Vielmehr ist in dem Apollontempel von Didyma der vergeistigte Höhepunkt einer langen und fruchtbaren Entwicklung zu sehen.
The third Temple of Apollo in Didyma (western Turkey), a monumental structure of the Hellenistic age, is said to be one of the best preserved and understood of all buildings of antiquity. Due to its well-preserved state the temple has been the focus of a long and prominent line of research. Yet the temple’s system of measurement remains still unknown and its geometrical conception hasn’t been brought into a satisfying relation to any ancient foot measure. With a new approach this thesis could solve the problem of the temple’s proportional structure. After analysing the proportions of the temple a ratio for all important rectangles of the Floor Plan can be ascertained. Common to all these proportions is their origin in the Pythagorean scale, i.e. all of them can be translated into musical intervals. Entering those harmonic ratios up in Plato’s Timaios-Scale, results in a clear hierarchy. The order in which the intervals descend on the scale consistently corresponds with the sequence of the different rooms of the temple. As well the significance of these ratios in the mysticism of numbers supports this theory. The focus of this thesis was direct research on the site with the methods of building-archaeology, to verify the geometric composition of the building, in sight of the inexactness of the building process. Furthermore, the philosophic and musical aspects of numbers as analysed in other disciplines was brought into context. Although a sophisticated symbolism of numbers in Greek architecture was frequently suggested in research, there has never been any direct proof as Greek architectural theory has been lost. Therefore Didyma presents the unique possibility to prove this relationship directly through the building, as the concept of a harmonic conception is conclusive on multiple levels. Nevertheless, this thesis does not follow the romanticised notion that the architect aimed at directly transforming music into architecture. The temple was planned along the lines of geometry based on numbers. In the moment though, numbers are understood as something more than mere mathematic objects, music is the key to the understanding of the philosophy of harmonic theory.
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus-13606
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/1734
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1437
Exam Date: 30-Mar-2006
Issue Date: 28-Sep-2006
Date Available: 28-Sep-2006
DDC Class: 720 Architektur
Subject(s): Harmonik
Proportion
Tempelbau
Timaios
Vitruv
Design analysis
Greek temple
Harmonic theory
Pythagoras
Timaios scale
Usage rights: Terms of German Copyright Law
Appears in Collections:Technische Universität Berlin » Fakultäten & Zentralinstitute » Fakultät 6 Planen Bauen Umwelt » Institut für Architektur » Publications

Files in This Item:
File Description SizeFormat 
Dokument_44.pdf1.23 MBAdobe PDFThumbnail
View/Open
Dokument_45.pdf3.95 MBAdobe PDFThumbnail
View/Open


Items in DepositOnce are protected by copyright, with all rights reserved, unless otherwise indicated.