Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1521
Main Title: Umgang mit Komplexität bei der Arbeitsgestaltung am Beispiel Arbeitsschutz im Operationssaal
Translated Title: Complexity in work design using the example of occupational safety and health in the operation room
Author(s): Zschernack, Swantje
Advisor(s): Friesdorf, Woflgang
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät V - Verkehrs- und Maschinensysteme
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: Der Operationssaal ist eingebettet in eine komplexe Behandlungskette des Patienten, an der unterschiedliche Fachabteilungen und Leistungserbringer außerhalb des Krankenhauses beteiligt sein können. Die Arbeitsprozesse im Krankenhaus und im Operationssaal variieren in Abhängigkeit von der Erkrankung des Patienten und seiner individuellen Konstitution. Es können kurzfristige Änderungen im Ablauf nötig werden, weil die Operation wegen des weit reichenden Eingriffs in den menschlichen Körper eine besonders kritische Phase in der klinischen Patientenbehandlung darstellt, in der unvorhergesehene Ereignisse auftreten können. Die dynamische Vernetzheit der verschiedenen Abteilungen und Akteure, in Verbindung mit der Variabilität der Abläufe begründen die Komplexität des Arbeitssystems Operationssaal. Die Gewährleistung von Arbeitsschutz ist Grundvoraussetzung für den sicheren Betrieb. Im Operationssaal stoßen gängige Handlungshilfen in Bezug auf die Ermittlung geeigneter Maßnahmen zur Gefährdungsvermeidung und -reduktion jedoch aufgrund der Komplexität des Systems leicht an ihre Grenzen, weil sich einheitliche und starre Arbeitsschutzregeln nicht wirksam umsetzen lassen. Es ist eine Anpassung von Arbeits- und Gesundheitsschutz an die lokalen Strukturen erforderlich, die wiederum nur durch angemessenes Verhalten der Akteure gelingen kann. Dabei ist von divergenten Interessenlagen der verschiedenen klinischen Akteure und daraus resultierend unterschiedlicher Motivation zur Befassung mit dem Thema Arbeitsschutz auszugehen. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass nicht wirksame Umsetzungsversuche zur Demotivation der Beteiligten hinsichtlich der Akzeptanz von Arbeits- und Gesundheitsschutz führen können. Es wurde ein Vorgehenskonzept zur Umsetzung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Operationssaal entwickelt, das den Umgang mit der Komplexität des Arbeitssystem explizit berücksichtigt. Das Konzept ermöglicht eine flexible Synthese aus partizipativem und expertengeleitetem Vorgehen und bezieht Rahmenbedingungen und Lösungsansätze von der Ebene einzelner Handlungen bis hin zum Veränderungsmanagement auf der Klinikebene ein. Es basiert auf einer umfassenden Abschätzung der Wirkung von verschiedenen Maßnahmen, um möglichst alle Ursachen für das eventuelle Scheitern von Maßnahmen im Vorfeld zu identifizieren. Das vorgeschlagene Konzept basiert auf einer dreistufigen Gliederung: Stufe 1 – Umgang mit Komplexität durch systematisches Vorgehen: Ein allgemeines Vorgehensmodell (Problemlösezyklus), das durch die Gliederung (operative Variation des Problemlösezyklus) sowie im Hinblick auf Umfang und Qualität der angestrebten Veränderung variiert werden kann, bildet die Basis für die Grundlage des Vorgehens. Stufe 2 – Umgang mit Komplexität durch Systemverständnis: Verschiedene Konzepte und Theorien, die die grundlegenden Charakteristika von Abhängigkeiten zwischen Elementen eines Arbeitssystems erklären, wurden, basierend auf den formalen Prinzipien der Systemtheorie, in einem Arbeitssystemmodell zusammengefasst. Dies ermöglicht die Definition von für die Systemgestaltung relevanten Informationen, die Beschreibung und Vorhersage von Effekten sowie die frühzeitige Identifikation möglicher Gestaltungskonflikte. Es erlaubt den Umgang mit Komplexität, indem die verschiedenen Ansätze linear kombinierbar sind. Stufe 3 – Kombination von systematischem Vorgehen (Stufe 1) und Systemverständnis (Stufe 2): Aus der Kombination eines allgemeinen Vorgehensansatzes und einer Arbeitssystembeschreibung wird ein spezielles Vorgehensmodell abgeleitet, das aufgrund der Kongruenz zwischen Vorgehen und Systembeschreibung geeignet ist, mit Komplexität umzugehen. Auf Basis dieses Stufenkonzeptes werden die Implikationen für die Gestaltung von Arbeitsschutz auf verschiedenen Systemebenen abgeleitet. Dabei erfolgt die Integration der beiden Ziele „Erfüllung der Arbeitsaufgabe“ und „Umsetzung von Arbeitsschutz“ auf verschiedenen Ebenen des Arbeitssystems. Die empirische Umsetzung des Konzeptes erfolgt exemplarisch in den Operationssälen von drei Kliniken: Insgesamt werden fünf unterschiedliche Analysen durchgeführt, die jeweils unterschiedliche Sichtweisen betrachten. Auf Basis der Zusammenführung der Analyseergebnisse erfolgt die Schwerpunktsetzung für die Handlungsphase auf die Themenbereiche Vermeidung von Schnitt- und Stichverletzungen, rückengerechtes Arbeiten und psychische Beanspruchung, für welche Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und umgesetzt wurden. In den verschiedenen Schwerpunkten werden mit einem einheitlichen Konzept unterschiedliche Zielstellungen für unterschiedliche Tätigkeiten und unterschiedliche Rahmenbedingungen erarbeitet, die erfolgreich umgesetzt werden können. Das vorgestellte Vorgehenskonzept zum Umgang mit Komplexität ist übertragbar auf Arbeitsschutz in anderen Arbeitssystemen.
The operation room is part of a complex chain of treatment for patient that may involve different clinical departments as well as external care provider. The clinical work processes in differ depending on the patient’s disease and his individual health constitution. Short-term changes of the procedure may be due to the fact that the operation is an especially critical part of the patient treatment because its invasiveness may result in unexpected events. The complexity is caused by the dynamic interdependence of the different departments in connection with the variability of the processes Occupational safety is a precondition for safe operation. In the operating room the effect of guidelines for the identification of hazards is limited due to the complexity of the system as fixed rules cannot be implemented successfully. The adaptation of occupational safety and health to the local structures is necessary. This can only be successful by the adequate behaviour of the personnel. This has to acknowledge the different motivation of the personnel for occupational safety and health issues. Not successful implementation trials may cause additionally reduced motivation and acceptance for occupational safety and health issues. A concept for implementation of occupational safety and health issues in the operating room has been developed considering explicitly the complexity of the work system. The concept allows a flexible synthesis of participatory and expert-guided procedures and includes boundaries and methods of solution from the level of singular actions up to the level of clinical change management based upon a broad estimation of the effect of different interventions to identify as possible all causes for potentially not successful implementation in advance. The proposed concept is based on three Steps: Step 1 – Dealing with complexity by a systematic procedure: A common model of procedure (problem solving cycle) gives the foundation and can be varied in arrangement (operative variation of the problem solving cycle) as well as with respect to the degree and the quality of the change. Step 2 – Dealing with complexity by system understanding: Different concepts and theories explaining the character of interdependence between the elements of a work system have been combined in a work system model based on the formal principles of systems theory. This allows the definition for the information relevant for system design, the description and prediction of effects, as well as the early identification of possible design conflict. Dealing with complexity becomes possible by the opportunity of the different concepts’ linear combination. Step 3 – Combination of systematic procedure (Step 1) and system understanding (step 2): By the combination of a common model of procedure and a work system description a specific model of procedure is developed and can deal with complexity because of the congruency between procedure and system description. Based on the 3-step concept the implication for occupational safety and health on the different system levels are discussed integrating the goals “execution of the work task” and “implementing occupational safety” in different levels of the work system. The concept is exemplarily implemented in three different operating rooms in three hospitals: Altogether five different analyses aim on different aspects. Based on the integration of the different analysis the following three focus points are chosen for the synthesis and implementation: prevention of needle stick and sharp instrument injuries, reduction of back strain, and psychological strain. The different focus points are using the same concept to develop solutions for different goals, different tasks and different conditions that can be implemented successfully. The proposed concept of dealing with complexity can be transfused to occupational safety in different work systems.
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus-14811
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/1818
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1521
Exam Date: 10-Jan-2007
Issue Date: 25-Jan-2007
Date Available: 25-Jan-2007
DDC Class: 620 Ingenieurwissenschaften und zugeordnete Tätigkeiten
Subject(s): Arbeitsgestaltung
Arbeitsschutz
Arbeitswissenschaft
Komplexität
Operationssaal
Complexity
Ergonomics
Occupational safety and health
Operating room
Work design
Usage rights: Terms of German Copyright Law
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