Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1760
Main Title: Entwicklungspolitik und Solidarität in der DDR, dargestellt an Beispielen der staatlichen Zusammenarbeit mit Mosambik und Äthiopien und der entwicklungsbezogenen Bildungsarbeit unabhängiger Gruppen
Translated Title: Development policies and solidarity in the GDR, presented using examples of state cooperation with Mozambique and Ethiopia and the development-related education of independent groups
Author(s): Döring, Hans-Joachim
Advisor(s): Rathenow, Hanns-Fred
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät I - Geisteswissenschaften
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: Die Dissertation enthält Abhandlungen des Autors zur Entwicklungspolitik und Solidarität in der DDR im Zeitraum von 1968 bis 1990 bzw. 1994. Im Rahmen analytischer Rekonstruktionen werden die entwicklungsbezogene Bildungsarbeit der unabhängigen Dritte-Welt-Gruppen und die staatliche Entwicklungszusammenarbeit untersucht. Wichtige Grundlagen für die Abhandlungen sind bisher zur wissenschaftlichen und theoretischen Fundierung des Verständnisses von Entwicklungspolitik und Solidarität in der DDR nur in geringem Maße herangezogene Archivmaterialien der ehemaligen Staats- und Parteiapparate sowie aus kirchlichen Beständen. Die entwicklungsbezogene Bildung der unabhängigen Dritte-Welt-Gruppen wird auf ihre Korrespondenzen mit internationalen Entwicklungen seit 1968 und den staatlichen Rahmen in der DDR analysiert. Aufgezeigt wird, dass die unabhängigen Gruppen seit 1968 mit internationalen emanzipatorischen Bestrebungen in Kontakt standen und von den ökumenischen Verbindungen der Kirchen partizipierten. Konzepte der evangelischen Kirchen der 1970er Jahre von einem "verbesserlichen Sozialismus" (Heino Falcke) und der "Kirche als Lerngemeinschaft" unterstützten frühzeitig substantiell die politische Bildungsarbeit der Gruppen unter den repressiven Verhältnissen der DDR und förderten eigenständiges und selbstorganisiertes Engagement. Impulse aus der westeuropäischen Erwachsenenbildung (Ernst Lange) und der "Pädagogik der Unterdrückten" (Paulo Freire) lassen sich nachweisen. In den 1980er Jahren kam es zu einem Wechsel von einer auf kirchliche Strukturen ausgerichteten Arbeit hin zu einer politischen Arbeit, die auf Veränderungen in der Gesellschaft der DDR abzielte. Der Ansatz der entwicklungsbezogenen Bildung, durch Informations- und Bewusstseinsarbeit Verständnis für Veränderungen im Nord-Süd-Verhältnis, wie in der eigenen Gesellschaft zu fördern, erwies sich auch unter den Verhältnissen der DDR als motivierend. Rekonstruiert wird die Entstehung und Arbeitsweise des ostdeutschen entwicklungspolischen Netzwerkes INKOTA. Ihm wird eine intermediäre Funktion zwischen verschiedenen Akteuren zugeschrieben, die den gemäßigt widerständigen Charakter der Dritte-Welt-Gruppen in der Oppositionsbewegung der DDR mit prägte. In den Gruppen fand vielfältiges informelles Lernen und selbstorganisierter Kompetenzerwerb statt. Herausgearbeitet wird, dass diese Lernprozesse im zentralistischen System der DDR für die unabhängigen Gruppen einen hohen Stellenwert aufwiesen. Den in den Gruppen erworbenen Fähigkeiten kam in der friedlichen Wende 1989/1990 eine herausragende Bedeutung zu. Mit der politischen Einheit Deutschlands verloren diese Fähigkeiten schnell an Wirksamkeit. Die weit verstreut und halboffiziell in Kleinstauflagen erschienenen kirchlichen Veröffentlichen zur entwicklungsbezogenen Bildung werden erstmals in einer Bibliografie nach den Herausgebern zusammengefasst und systematisch geordnet. Damit wird eine Grundlage zur weiteren Erforschung entwicklungsbezogener bzw. politischer Bildungsarbeit im Rahmen der Oppositionsforschung der DDR gegeben. An den Beziehungen der DDR zu Mosambik und Äthiopien wird untersucht, wie zu ausgewählten Entwicklungsländern auf Grundlage der marxistisch-leninistischen Theorie der Außenpolitik bzw. der Außenhandelspolitik und wirtschaftlicher Engpässe die praktische Solidarität gestaltet wurden. Aufgezeigt wird, dass die eigenen ökonomischen Interessen teilweise in erheblichem Maße zum Schaden der befreundeten Entwicklungsländer durchsetzt wurden. Dieser Widerspruch sollte unter anderem durch eine hohe Geheimhaltung verdeckt werden. Die staatliche Informationspolitik zu entwicklungspolitischen Fragen erfolgte aus diesem Grund besonders restriktiv. An Hand von exemplarischen Analysen (Äthiopien: Unterstützung des Machtwechsels 1977, Kaffeeimport; Mosambik: Steinkohlebergbau, landwirtschaftliche Großprojekte, Vertragsarbeiter, Außenhandelsschulden, Solidaritätsleistungen) werden Entscheidungsprozesse des Partei- und Staatsapparates aufgezeigt. Die Ergebnisse entsprachen meist nicht den eigenen Ansprüchen wie den Kriterien solidarischer Entwicklungszusammenarbeit. Gedruckte Version im Verlag erschienen: Döring, Hans-Joachim: Es geht um unsere Existenz. Die Politik der DDR gegenüber der Dritten Welt am Beispiel von Mosambik und Äthiopien. - 2. Aufl. - Berlin: Links, 2001. - 353 S. - ISBN 978-3-86153-185-2
The dissertation contains discourses by the author on development policies and solidarity in the GDR from 1968-1990 and 1994 respectively. The development-related education of independent, Third World groups and the state development cooperation will be examined in the framework of analytic reconstructions. Up till now, important fundamentals for the discourse have been the scientific and theoretical foundations of the understanding of development polities and solidarity in the GDR. These were put together from scarce archive materials of the former state and party machine as well as from church documents. The development-related education of the independent Third World groups will be analyzed by their correspondences with international developments since 1968 and the state framework of the GDR. It shows that the independent groups were in contact with international emancipation attempts since 1968 and participated in the ecumenical connections of the church. Concepts of the evangelical churches in the 1970s of an “improvable socialism” (Heino Falcke) and the “church as a learning community” earlier substantially supported the political education of the groups under the repressive conditions of the GDR and demanded independent and self-organized commitments. Impetus from Western European adult education (Ernst Lange) and the “pedagogy of the repressed” (Paulo Freire) demonstrate this. In the 1980s there was a change from a work aimed at a ecclesiastical structure to a political work that targeted a change in the society of the GDR. The basic approach of education, which was development-related, promoted understanding through information and consciousness work for changes in the North-South relationship as one would do in his own society. This proved to be motivating even under the atmosphere of the GDR. The creation and the operating principles of the East German developmental policy network INKOTA was reconstructed. It was assigned an intermediary function between the different players that helped form the moderate resistive nature of the Third World groups in the counter movement of the GDR. A complex informal learning and self-organized acquisition of expertise took place in the groups. It was defined that the independent groups in the centralized system of the GDR highly valued this learning process. The abilities acquired in the group took on a prominent importance during the peaceful revolution between 1989/1990. However, with the political unity of Germany these accomplishments quickly lost their effectiveness. The widely dispersed and half-official ecclesiastic publications, which were printed in small runs on the development education were systematically organized into a bibliography and categorized according to their publisher. This laid the basis for further research on development related and political education in the framework of the opposition research given in the GRD. The relationship of the GDR to Mozambique and Ethiopia is being examined to see how they designed their solidarity to certain developing countries, which were chosen according to their foundations of Marxist-Lenin theory of foreign policies, foreign trade policies and economic bottle-necks. What was discovered was that their own economical interests were asserted usually at the expense of the developing countries they had befriended. This contradiction was kept hidden as a strict secret. The state information policies on questions involving development policies which followed as a result were especially restricted. By means of example analysis (In Ethiopia: supporting the change of power in 1977, coffee import; In Mozambique: anthracite, large agricultural projects, contract workers, trade schools, solidarity achievements) the decision-making processes of the party and state administrations were identified. The results did not correspond most of the time with their own demands, like with the solidarity of development cooperation criteria. Printed version available: Döring, Hans-Joachim: Es geht um unsere Existenz. Die Politik der DDR gegenüber der Dritten Welt am Beispiel von Mosambik und Äthiopien. - 2. Aufl. - Berlin: Links, 2001. - 353 S. - ISBN 978-3-86153-185-2
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus-17471
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/2057
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-1760
Exam Date: 13-Jul-2007
Issue Date: 18-Jan-2008
Date Available: 18-Jan-2008
DDC Class: 943 Geschichte Mitteleuropas; Deutschlands
Subject(s): Deutschland DDR
Evangelische Kirche DDR
Opposition
Äthiopien
Mosambik
Germany GDR
Evangelical Churches GDR
Opposition
Ethiopia
Mozambique
Usage rights: Terms of German Copyright Law
ISBN: 978-3-86153-185-2
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