Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-2880
Main Title: Bundestagsreden: Analyse und Bewertung der redaktionellen Bearbeitung
Translated Title: Political Speeches: Analysis and Assessment of the Editorial Revision
Author(s): Friesdorf, Marita
Advisor(s): Kowal, Sabine
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät I - Geisteswissenschaften
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: Gesprochene Äußerungen werden in verschiedenen gesellschaftlichen Zusammenhängen zu Dokumentations- bzw. Publikationszwecken schriftlich aufgezeichnet. Dabei wird der Originalwortlaut nicht wortwörtlich, sondern in redaktionell überarbeiteter Form in Schrift abgebildet. Derzeit besteht keine ausreichende Transparenz darüber, in welcher Weise eine redaktionelle Bearbeitung erfolgt. Auch ist ungeklärt, wie sie aus linguistischer Sicht zu beurteilen ist. Ziel der Arbeit ist es, die redaktionelle Bearbeitung bei der Verschriftlichung von gesprochenen Äußerungen unter Berücksichtigung der Beteiligtenperspektive am Beispiel von Bundestagsreden zu analysieren und zu bewerten. Möglichkeiten der Erstellung von deskriptiven und normativen Regeln für die redaktionelle Bearbeitung sollen ausgelotet werden. Für die Analyse wird ein Korpus von 12 Bundestagsreden von insgesamt ca. 90 min Dauer in mündlicher Version (Videoaufzeichnungen und Transkripte) und schriftlicher Version (Stenografische Berichte) ausgewählt. Es werden 2737 redaktionelle Eingriffe an Phänomenen der mündlichen Versionen der Reden ermittelt, die mittels der Änderungsprozeduren ‚Auslassung’, ‚Hinzufügung’, ‚Ersetzung’, ‚Umstellung’, ‚Umwandlung’ und ‚Neuformulierung’ in einer Datenbank erfasst werden. Das erstellte Korpus wird auf Bearbeitungsmuster hin geprüft. Als dominante Änderungsprozedur zeigt sich die Auslassung, die 41,3 % der Gesamtänderungen einnimmt. Es werden 22 Phänomene ausgewählt, die in der linguistischen Literatur als gesprochensprachlich und von Stenografen als relevant für die redaktionelle Bearbeitung herausgestellt werden. Mit der Beschreibung der Bearbeitung der ausgewählten Phänomene werden 56,6 % der Gesamtänderungen abgedeckt. Es zeigt sich, dass 36,4 % (8) der Phänomene in den gesprochenen Reden bei der Verschriftlichung sehr häufig (> 90% der Vorkommen) bearbeitet, 63,6 % (14) der Phänomene bei der Verschriftlichung der Anzahl nach mäßig bis stark reduziert werden (< 90% der Vorkommen). Die Erstellung von deskriptiven Regeln für die redaktionelle Bearbeitung beschränkt sich auf vier gesprochensprachliche Phänomene, wie z. B. die Bearbeitung von Korrekturen durch Auslassung. Bezüglich weiterer 18 Phänomene können Tendenzen für die Bearbeitung bei der Verschriftlichung ermittelt werden, wie z. B. die Verminderung der Anzahl von Abtönungspartikeln. Als Motive für die redaktionellen Eingriffe werden der Medienwechsel und damit die Lesbarkeit und die Verständlichkeit der gesprochenen Äußerungen im schriftlichen Medium sowie die Anpassung an schriftsprachliche Normen und damit der Schutz der Redner herausgearbeitet. Zur Bewertung der redaktionellen Bearbeitung wird anhand einer Auswahl von 43 Redeabschnitten mit insgesamt 230 redaktionellen Eingriffen eine Befragung unter 20 Linguisten durchgeführt. In 41,9 % der Urteile wird die redaktionelle Bearbeitung als uneingeschränkt zulässig bewertet. In je knapp einem Drittel wird die redaktionelle Bearbeitung als zulässig, einzelne Änderungen jedoch als überflüssig / grenzwertig (27,1 %) bzw. die redaktionelle Bearbeitung als unzulässig beurteilt (28,6 %). Die Bearbeitung der untersuchten gesprochensprachlichen Phänomene wird durchschnittlich zu 17,1 % explizit als kritisch bewertet. Die Praxis der redaktionellen Bearbeitung kann von der Untersuchung hinsichtlich der Kategorien für die Reflexion sowie der Bewertung der redaktionellen Bearbeitung profitieren. Die linguistische Forschung soll zu Professionalisierung, Praxisnähe, interdisziplinärer Zusammenarbeit und Sprachkritik angeregt werden. Weiterer Forschungsbedarf besteht hinsichtlich dem Anteil von 44,4 % der redaktionellen Eingriffe, die in der Arbeit nicht näher untersucht werden. Zudem sollen die ermittelteten Bearbeitungsmuster und die Bearbeitung weiterer gesprochensprachlicher Merkmale an einem umfangreicheren Korpus von verschriftlichten politischen Reden sowie an anderen kommunikativen Praktiken wie z. B. verschriftlichten Interviews geprüft werden.
Spoken utterances when written down are not recorded word by word but in an editorial revised version. At present there is no sufficient transparency in what way an editorial revision happens. Furthermore it is open how it is to be assessed from a linguistic point of view. The goal of the thesis is the analysis and assessment of the editorial revision of spoken utterances in context of transcription with regard to the participants’ perspective by example of political speeches given at the german parliament. For the analysis a corpus of 12 speeches with a length of about 90 minutes in oral (video recordings, transcript) and written version (stenpgrafic reports) is selected. 2737 editorial changes are investigated by phenomenons of the oral version, registered in a database, according to the changing procedures ‚omission’, ‚addition’, ‚subsitution’, ‚transmission’, ‚reformulation’. The created corpus is inspected for editing patterns. The omission is revealed as the dominant changing procedure with 41,3 % of the total amount of changes. 22 phenomenons are selected, which are identified as oral-linguistical by linguistic literature and as relevant for the editorial revision by stenographers. The description of changes of the selected phenomenons covers 56.6% of all changes. It is shown, that 38.1% of phenomenons in oral talks are changed very often (>90% of occurences) during transcription and 61.9% are reduced moderately to strongly according to numbers (<90% of occurences). The construction of descriptive rules for the editorial revision is limited to 4 spoken phenomenons, like e.g. the editing of corrections by omission. With regard to 18 further phenomenons, tendencies of the editing during transcription can be determined, like e.g. the numerical decrease of modal particles. For the assessment of the editorial revision a survey among 20 linguists is conducted, based on 43 stretches of speech. In 41,9 % of the judgements the editorial revision is assessed as valid without restrictions. In about a third the editorial revision is assessed as valid, but single changes as superfluous/marginal. The revision of the investigated spoken phenoma is explicitly assessed as critical in 17,1 % of the judgements. Conclusions for research and application are drawn: Practice can profit from research with regard to the categories of reflection as well as the assessment of editorial revision. Linguistic research is encouraged to professionalisation, practical relevance, interdisciplinary cooperation and language criticism. Further research is needed concerning the 44,4 % of editorial changes which are not further investigated in the thesis. Moreover the determined editing patterns and the editing of additional spoken phenomenons is to be verified against a wide-ranging corpus of transcribed political speeches as well as other communicative practices like e.g. transcribed interviews.
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus-31497
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/3177
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-2880
Exam Date: 9-Aug-2010
Issue Date: 14-Jul-2011
Date Available: 14-Jul-2011
DDC Class: 400 Sprache
Subject(s): Gesprochensprachliche Phänomene
Mündlichkeit
Schriftlichkeit
Verschriftlichung
Literacy
Orality
Spoken Phenomena
Transcription
Creative Commons License: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/
ISBN: 978-3-936656-37-4
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