Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-3855
Main Title: Fehlgebrauch von Kindersicherungssystemen im Fahrzeug
Translated Title: Misuse of child restraint systems in vehicles
Author(s): Müller, Gerd
Advisor(s): Schindler, Volker
Referee(s): Schindler, Volker
Johannsen, Heiko
Fastenmeier, Wolfgang
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät V - Verkehrs- und Maschinensysteme
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: Die Zahl der bei Verkehrsunfällen getöteten und verletzten Kinder in Pkw ist in den letzten Jahren erheblich gesunken. Waren 1993, im Jahr der Einführung der gesetzlichen Pflicht zur Nutzung von Kindersitzen noch 128 getötete Kinder zu beklagen, waren es im Jahr 2011 noch 21. Neben einer hohen Sicherungsquote von Kindern im Kindersitz gibt es zahlreiche weitere Ursachen, die diese positive Entwicklung bewirkt haben. So haben sich die gesetzlichen Anforderungen an Kindersicherungssysteme ständig erhöht, wodurch ihre Schutzwirkung verbessert wurde. Genauso verbesserten sich die Sicherheit der Fahrzeuge und die Verkehrsinfrastruktur insgesamt. Dennoch muss festgestellt werden, dass die Quote der Fehlbenutzung (Misuse) von Kindersitzen in den letzten 15 Jahren konstant hoch geblieben ist. Mehr als zwei Drittel aller Kinder sind fehlerhaft im Fahrzeug gesichert, wobei manche dieser Fehler so gravierend sind, dass die Schutzwirkung des Sitzes komplett aufgehoben wird. Hier zeigt sich nach wie vor ein dringender Handlungsbedarf. Die Auswertung einer im Rahmen des EU-Forschungsprojekts CASPER durchgeführten Feldstudie hat ergeben, dass die Fehlbenutzungsquote leicht zurück gegangen ist, inwiefern dabei von einem signifikanten Trend gesprochen werden kann, lässt sich allerdings nicht absehen. Es zeigte sich weiterhin, dass die schlechte Sicherung der Kinder von Eltern in der Regel nicht vorsätzlich geschieht, sondern dass mangelndes Wissen über den richtigen Umgang mit Kindersitzen und ein gering ausgeprägtes Risikobewusstsein zur Fehlbedienung führen. Faktoren wie Zeitmangel und Stress im Moment der Sicherung erhöhen das Fehlbedienungsrisiko. Anhand der Daten von 119 rekonstruierten Pkw-Verkehrsunfällen mit 183 beteiligten kindlichen Insassen konnten Zusammenhänge zwischen bestimmten Fehlbenutzungen und daraus resultierenden Verletzungen gezeigt werden. Genauso konnte nachgewiesen werden, dass für falsch gesicherte Kinder das Risiko für schwere Verletzungen bei einem Unfall deutlich höher ist, als für korrekt gesicherte Kinder. Alle gewonnen Erkenntnisse machen deutlich, dass das Thema der Fehlbenutzung von Kindersitzen nach wie vor aktuell und drängend ist und dass es notwendig ist, dass sich Experten der Kindersicherheit mit diesem Thema befassen. Dafür ist es zunächst erforderlich, dass es in Fachkreisen von den zentralen Begriffen „Fehlbenutzung“ und „Fehlerschwere“ ein einheitliches Verständnis gibt. Eine experimentelle Untersuchung auf der Fachtagung „Protection of Children in Cars“ im Jahr 2011 ergab, dass gleiche Fehler von verschiedenen Fachleuten ganz unterschiedlich bewertet werden. Um diesem Problem zu begegnen wird in der vorliegenden Arbeit eine Definition des Begriffs „Misuse“ vorgeschlagen. Darüber hinaus wird ein für Misuseuntersuchungen häufig genutztes Codebook dahingehend überarbeitet und vereinfacht, dass es einerseits in der Praxis der Feldbeobachtung leicht und mit wenig zeitlichem Aufwand zu nutzen ist, andererseits alle wesentlichen Fehler erfasst. Dabei ist es wichtig, dass die Fehler eindeutig beschrieben und bewertet werden, so dass sichergestellt ist, dass verschiedene Beobachter zur gleichen Fehlerbewertung kommen und somit eine Vergleichbarkeit verschiedener Feldstudien gegeben ist. Abschließend enthält die vorliegende Arbeit konkrete Vorschläge, wie der Problematik der Fehlbenutzung begegnet werden sollte. Hier werden insbesondere an den Gesetzgeber Forderungen nach klaren und zwingenden Vorgaben für die Hersteller von Kindersitzen gestellt, auch erscheint es als ratsam, dass das ISOFIX-System derart optimiert wird, dass es zukünftig bessere Chancen hat eine große Marktdurchdringung zu erfahren.
The number of killed and injured children as vehicle occupants in road accidents has declined significantly in recent years. During 1993, the year when the requirement to use child seats was introduced, 128 children were killed, while in 2011 21 children died in a car. In addition to a high percentage of children secured in a suitable child seat there are many other causes which support this positive development. The legal requirements for child restraint systems have increased constantly affecting an improvement of its protection level, simultaneously the safety of vehicles and traffic infrastructure has improved. However it must be noted that the rate of incorrect use (misuse) of child seats is consistently high in the last 15 years. More than two thirds of all children in the vehicle are not secured correctly, with some of these misuses are so serious that the protective effect of the seat will be cancelled completely. Here is still an urgent need for improvement. The evaluation of a field study, which was conducted in connection with the EU research project CASPER, has shown evidence that the quote of incorrect used child seats has declined slightly. However it is not sure, whether this is a significant trend or just a single result. Another founding from this study is that usually, the poor securing of children by parents is not done intentionally, but more by a lack of knowledge about the correct use of child restraint seats and by a low level of awareness of the misuse risk. Factors such as lack of time and stress during the child securing increase the risk of incorrect use. Based on the data of 119 reconstructed car accidents with 183 involved children as car occupants, the relationships between certain misuse types and resulting injuries have been shown. Additionally it has been shown that for incorrectly restrained children, the risk of serious injuries in an accident is much higher than for properly restrained children. All gained findings reveal that the problem of child seats misuse is still urgent and that it is necessary for experts of child safety to deal with this issue. This requires a common understanding of the central terms of "misuse" and "misuse severity". An experimental investigation on the conference "Protection of Children in Cars" in 2011 has shown that the same misuse will be evaluated by specialists in different ways. To overcome this challenge a definition of "misuse" is proposed in the present thesis. In addition, a frequently used codebook for field studies has been revised and simplified. On the one hand it should be easy to use in the practice of field observation and with little expenditure of time and on the other hand, it should cover all significant types of misuse. It is important that all misuse types are clearly identified and evaluated, to ensure that different observers get the same misuse rating and thus a comparability of different field studies is given. In conclusion, the present thesis includes concrete proposals on addressing misuse of child restraint systems. Here, in particular, to the legislator demands for clear and mandatory requirements for manufacturers of child seats are made, and it seems advisable that the ISOFIX system is optimised in a way that it has a better chance in the future to find a large market penetration.
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus4-43371
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/4152
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-3855
Exam Date: 22-Oct-2013
Issue Date: 13-Dec-2013
Date Available: 13-Dec-2013
DDC Class: 620 Ingenieurwissenschaften und zugeordnete Tätigkeiten
Subject(s): Kindersicherheit
Fahrzeugtechnik
Sicherheit
Fehlgebrauch
passive Sicherheit
Misuse
child safety
passive safety
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