Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-4194
Main Title: Endogene Aufmerksamkeitssteuerung und Attentional capture in der visuellen Suche
Subtitle: Ansätze zur Erweiterung der Attentional Engagement Theory
Translated Title: Endogenous attentional control and attentional capture in visual search
Translated Subtitle: approach to an extention of the attentional engagement theory
Author(s): Schade, Stefan
Advisor(s): Müller-Plath, Gisela
Referee(s): Müller-Plath, Gisela
Heyer, Dieter
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät V - Verkehrs- und Maschinensysteme
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: In der vorliegenden Arbeit sollte das Phänomen des Attentional capture in der visuellen Suche mit Bedingungen unterschiedlicher Ähnlichkeitskonstellationen untersucht werden. Üblicherweise sollen Probanden dabei ein Target in einem Suchdisplay mit mehreren Distraktoren möglichst schnell und fehlerfrei finden. Die Attentional Engagement Theory (AET) von Duncan und Humphreys (1989, 1992) geht davon aus, dass die Ähnlichkeit zwischen dem Target und den Distraktoren sowie die Ähnlichkeit unter den Distraktoren die Sucheffizienz bestimmen. Es sollte in dieser Arbeit der Versuch unternommen werden, die AET in Bezug auf die Ähnlichkeitsbeziehungen und deren Einfluss auf das visuelle Suchverhalten so zu erweitern, dass Phänomene des Attentional capture durch die Theorie erklärt werden können. Hierfür wurden zwei Arten von Distraktoren hinsichtlich ihrer Relevanz für die visuelle Suche unterschieden: Suchdistraktoren und Target bildeten das Relevante Set, während "capture"-Distraktoren zusätzlich präsentiert wurden, aber für die Targetsuche vollkommen irrelevant waren. Die Ähnlichkeit zwischen den Elementen des Relevanten Sets und den zusätzlich präsentierten "capture"-Distraktoren wurde schließlich variiert: In der "contingent capture"-Bedingung war die Ähnlichkeit zwischen den Elementen des Relevanten Sets und den "capture"-Distraktoren hoch, in der "salience capture"-Bedingung war sie gering. Es wurde angenommen, dass die Ähnlichkeitsbeziehungen zwischen den Elementen des Relevanten Sets und den "capture"-Bedingungen das visuelle Suchverhalten, insbesondere die Sucheffizienz, beeinflussen: In der "salience capture"-Bedingung können die "capture"-Distraktoren als irrelevant markiert und effektiv unterdrückt werden. Attentional capture sollte demnach nicht beobachtet werden. In der "contingent capture"-Bedingung hingegen werden auch "capture"-Distraktoren, aufgrund ihrer hohen Ähnlichkeit zu zielrelevanten Elementen, selektiert, so dass hier Attentional capture erwartet wurde. In theoretischer Hinsicht sollte dabei davon ausgegangen werden, dass ein umfassendes und damit über die ursprüngliche Konzeption eines "target templates" innerhalb der AET hinausgehendes "scene template" die Prozesse der Targetsuche als auch der Distraktorabwehr steuert. In Experiment I sollte untersucht werden, ob und unter welcher Bedingung in einer Konjunktionssuche Ablenkung durch die "capture"-Distraktoren beobachtet wird. Das Target war hier ein roter Umriss-Kreis mit nach links gedrehtem "T". Suchdistraktoren waren rote Umriss-Kreise mit verschieden rotierten "T"s. Die "capture"-Distraktoren waren beispielsweise orange Umriss-Kreise mit nicht-Target-rotiertem "T" in der "contingent capture"-Bedingung bzw. grüne Umriss-Quadrate mit dem Buchstaben "X" in der "salience capture"-Bedingung. Die Ergebnisse legen eine Interpretation in Richtung der erweiterten AET nahe: In der "contingent capture"-Bedingung sprechen die Ergebnisse dafür, dass "capture"-Distraktoren bei der Targetsuche mitverarbeitet werden. In der "salience capture"-Bedingung hingegen scheint die Unterdrückung der "capture"-Distraktoren zu gelingen. In Experiment II sollte der Frage nach der Ablenkbarkeit durch "capture"-Distraktoren in den beiden Ablenkerbedingungen mit unterschiedlichen Ähnlichkeitskonstellationen in einer Merkmalssuche nachgegangen werden. Das Target war ein roter Umriss-Kreis mit eingeschlossenem "Querbalken". Die Suchdistraktoren waren rote Umriss-Kreise mit waagerechtem Liniensegment. Die "capture"-Distraktoren der "contingent capture"-Bedingung waren zum Beispiel rote Umriss-Quadrate mit senkrechtem Liniensegment. Die "capture"-Distraktoren der "salience capture"-Bedingung waren aus Experiment I übernommen. Die Ergebnisse waren weniger eindeutig, zeigten aber auf, dass die Aufgabe und insbesondere die mündliche Instruktion den Versuchspersonen einen gewissen Spielraum bei der Wahl der eigenen Suchstrategie ließen. Es blieb offen, ob überhaupt Merkmalssuche stattfand. Hier wären weitere eindeutige Merkmalssuchaufgaben im klassischen Sinn zu untersuchen. Die sich anschließenden Experimente III und IV gingen daher der Möglichkeit einer expliziten und impliziten Entstehung des "scene templates" nach. Die Suche nach dem "Querbalken" in einem roten Umriss-Kreis (Target) unter roten Umriss-Kreisen mit senkrechten Liniensegmenten (Suchdistraktoren) wurde für beide Experimente aus Experiment II übernommen. Die Ähnlichkeitsbeziehungen der "capture"-Distraktoren zu den Elementen des Relevanten Sets beider Ablenkerbedingungen wurden zudem verändert, um deren möglichen Einfluss zu vergrößern. In der "contingent capture"-Bedingung wurden beispielsweise rote Umriss-Blumen mit senkrechtem Liniensegment, in der "salience capture"-Bedingung gelbe Spiralen dargeboten. Die Frage nach dem expliziten Einfluss verbaler Instruktionen auf das Suchverhalten in den beiden Ablenkerbedingungen war in Experiment III von Interesse. Hier konnte ein Einfluss der Instruktion, die sich nur auf Infeld-Reize bezog, beobachtet werden. In der "salience capture"-Bedingung zeigte sich nun ein Effekt der "capture"-Distraktoren, während er in der "contingent capture"-Bedingung verschwand. Die Ergebnisse legen nahe, dass der Prozess der Distraktorabwehr die Sucheffizienz nicht beeinflusst, aber dennoch nicht ohne kognitiven Aufwand abläuft, was sich in (konstanten) Reaktionszeitkosten zeigte. Eine Instruktion, die die Umriss-Formen betonte, brachte Ergebnisse vergleichbar mit denen aus Experiment II. Möglicherweise scheint die konkrete Beschaffenheit der Aufgabe ("compound search") insofern eine Rolle bei der Wahl der Suchstrategie zu spielen, als dass ein "scene template" für zusammengesetzte Objekte aus Umriss-Form und Infeld-Reiz ausgebildet wurde, und nicht für eine typische Merkmalssuche, in der sich ein Liniensegment nur durch die Ausrichtung von den Distraktoren unterscheidet. In Experiment IV sollte schließlich der implizite Einfluss der Distraktorpräsentation auf die Ausbildung eines "scene templates" und damit auf den Umgang mit Ablenkung durch "capture"-Distraktoren in den beiden Ablenkerbedingungen untersucht werden. Hierzu wurden die Bedingungen mit "capture"-Distraktoren geblockt oder innerhalb eines Experimentalblocks gemischt dargeboten. Die geblockte Darbietungsweise sollte dabei helfen, ein "scene template" auszubilden, welches die effektive Unterdrückung der "capture"-Distraktoren ermöglicht. Die Ergebnisse ließen allerdings eine derartige Interpretation nicht zu. Vielmehr waren die Ergebnisse wie in Experiment II. Damit bleibt weiterhin die Möglichkeit bestehen, dass ein "scene template" entweder nicht implizit zu beeinflussen oder dem expliziten Einfluss untergeordnet ist. In theoretischer Hinsicht soll künftig weiterhin für die Vorstellung eines "scene template" argumentiert werden. Nicht nur Prozesse der Targetsuche, sondern auch Prozesse der Distraktorabwehr gilt es in weiteren Untersuchungen experimentell abzubilden. Es bleibt umfassender und klarer zu zeigen, dass das visuelle Suchverhalten durch ein "distractor template" ebenso wie durch ein "target template" gesteuert wird.
The main goal of the presented experiments is to investigate attentional capture in visual search under various similarity conditions. Target and search distractors form the relevant set. In some search conditions additional distractors are presented. The similarity relations between these additional distractors and the relevant set are varied. Both contingent and salience capture are investigated in the framework of the attentional engagement theory by Duncan and Humphreys (1989, 1992). It is claimed that contingent capture occurs because the similarity between the relevant set and additional capture distractors is high. Contrary, salience capture fails to occur because the similarity between the relevant set and additional capture distractors is low. The results of the first experiment support the contingent capture hypothesis for a conjunction search task. The attentional engagement theory provides a theoretical framework to explain both contingent capture and why an effect of salience capture distractors is lacking. In the second experiment it is intended to transfer the extended framework of the AET to a feature search task. Results are not clear-cut in the direction of the proposed theoretical framework. One possible explanation is that subjects adopt different search stragegies. Hence, in the subsequent third experiment the direct impact of verbal instructions on visual search behavior under different similarity conditions is investigated. Results suggest that a scene template is built up by the instruction, and therefore control visual search behavior. In the fourth experiment the indirect impact of the stimuli presentation with mixed and blocked additional distractors within one block is investigated, proposing that the stimulus presentation caused a specific attentional control setting indirectly. Taken together, it is argued theoretically for a scene template controlling both the processing of target relevant information and the suppression of unwanted distractor information. Further empirical investigation is required to show that visual search behavior is controlled by distinct processes of target search and distractor control within a scene template representing several aspects of the visual environment.
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus4-56915
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/4491
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-4194
Exam Date: 31-Jan-2014
Issue Date: 22-Sep-2014
Date Available: 22-Sep-2014
DDC Class: 150 Psychologie
Subject(s): Visuelle Suche
Attentional capture
Attentional engagement theory
Scene template
Visual search
Usage rights: Terms of German Copyright Law
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