Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-4221
Main Title: Deutungsmuster der Lagequalität bei Wohnungsanbietern in Leipzig und Dresden
Subtitle: Eine wissenssoziologische Untersuchung immobilienwirtschaftlicher Standortentscheidungen
Translated Title: Patterns of interpretation in site assessments of housing entrepreneurs in Leipzig and Dresden
Translated Subtitle: a knowledge sociological analysis of location decisions in real estate companies
Author(s): Küttner, Leander
Advisor(s): Knoblauch, Hubert
Christmann, Gabriela
Referee(s): Frank, Sybille
Knoblauch, Hubert
Christmann, Gabriela
Mattissek, Annika
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät VI - Planen Bauen Umwelt
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: Anhand der Nachwendeentwicklung in ostdeutschen Städten ist beispielhaft erkennbar, wie Stadtquartiere baulich, sozial und ökonomisch vernachlässigt werden, da Investoren sie als unattraktiv bewerten. Ein Vergleich mit sich entwickelnden, faktisch gleichartigen Quartieren in Leipzig und Dresden zeigt, dass dabei vor allem immaterielle Faktoren eine Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die übergeordnete Forschungsfrage: „Welche Deutungsmuster der Wohnlagequalität existieren bei Wohnungsanbietern und wie wirken diese sich auf deren unternehmerische Entscheidungen aus?“ Im Fokus der wissenssoziologischen Untersuchung standen somit die relevanten Deutungsmuster der Lagequalität, deren Grundlagen und Auswirkungen auf das Investitionshandeln der Wohnungsanbieter. Ein zentraler Schwerpunkt der Untersuchung ist also, wie SELLE es einmal sinngemäß formulierte, das Verstehen der Logiken und Ziele der Anderen raumrelevanten Akteure, um somit einen Beitrag für eine gezieltere Ansprache von Investoren der Wohnungswirtschaft im Rahmen einer kommunikativen Raumplanung zu ermöglichen. Stadtentwicklung ist ein komplexer Prozess und wird bislang entweder anhand von stadtgeographischen Zyklusmodellen, z.B. VAN DEN BERG, LICHTENBERGER, FRIEDRICHS, oder mit Bezug auf bestimmte Einzelphänome, welche auf Stadtteil- oder Quartiersebene beobachtet wurden, erklärt. Sowohl bei den Zyklusmodellen als auch bei den Einzelphänomenen spielen ökonomische Faktoren und damit Investitionsentscheidungen auf dem Immobilienmarkt eine wesentliche Rolle für die Stadt- bzw. Quartiersentwicklung. Im Mittelpunkt der Bewertung von Standortqualität als ein wesentliches Kriterium für Investitionsentscheidungen steht die Bodenrente als Kennziffer des standortbezogenen Nutzens. Der Raum und seine Charakteristika werden dabei meist im Sinne eines Containerraums als gegebenes Umfeld der ökonomischen Aktivitäten verstanden. Die Handelnden agieren entweder als reine Nutzenmaximierer, wie der „homo oeconomicus“ bei den neoklassischen Ansätzen oder als ‚Satisficer‘ bei neueren verhaltenstheoretischen Ansätzen. Eine Erklärung für die beschriebene unterschiedliche Quartiersentwicklung bei annähernd gleicher Ausgangslage in Leipzig und Dresden ist mit den theoriegestützten mehr oder weniger zweckrational handelnden Akteurstypen der Standortbewertung unbefriedigend. Eine weitergehende empirische Auseinandersetzung mit den Handlungsmotiven von Akteuren der Stadtentwicklung mittels sinnverstehender handlungstheoretischer Ansätze aus der Soziologie erscheint daher sinnvoll. Die Grundlage der Untersuchung bildet der handlungstheoretische Rahmen von SCHÜTZ und LUCKMANN, wonach der zugrundeliegende Sinn von Handlungen durch das Erfassen der entsprechenden Typisierungen und Relevanzen verstanden werden kann. Investitionsentscheidungen sind demnach abhängig von den Wirklichkeitsvorstellungen und damit vom Wissensvorrat der Entscheider. Zur Erhebung der für die Beantwortung der Forschungsfrage relevanten Daten wurde eine offene Befragung in Form von problemzentrierten Leitfadeninterviews mit jeweils neun Experten in Leipzig und Dresden durchgeführt. Die Auswertung der Daten geschah mittels Interpretation. Die im Voraus theoriegestützt abgeleiteten Akteurstypen und deren unterstellte Motivationen dienten dabei als Orientierung. Bei der Auswertung der Interviews wurde deutlich, dass die Verschiedenheit von Raumdeutungen bei den interviewten Akteuren vor allem auf die verschiedenen branchen- und unternehmensspezifischen Sozialzusammenhänge sowie subjektive Präferenzen der Akteure zurückführen ist. Die Konstitution von Wohnlagen bzw. Räumen basiert vor allem auf Erfahrungen, d. h. die Akteure orientieren sich bei der Standortbewertung vorrangig an etablierten Konzepten und Raumvorstellungen. Dabei wurde auch deutlich, dass die informativ-signifikativen Geographien des Alltags, also das Geographie-machen durch emotional sinnhafte „Aufladungen“ von räumlichen Gegebenheiten in Abhängigkeit vom jeweiligen Wissensvorrat, wesentlich sind für die unterschiedlichen Entwicklung von Wohnlagen in einer Stadt. Eine sozialkonstruktivistische Perspektive ist also sinnvoll, um die sozialen Hintergründe der Raumkonstitution und des darauf basierenden unternehmerischen Handelns zu verstehen.
The development in East German cities after the reunification is an example to see how neighborhoods are structurally, socially and economically neglected, because investors evaluate them as unattractive. A comparison with developing, practically similar neighborhoods in Leipzig and Dresden shows that not only hard economic facts are important for the assessment of residential location quality and by the way urban renewal. Therefore this study focused on the relevant patterns of interpretation of residential location quality, whose foundations and impacts on the spatially relevant investment behavior of housing entrepreneurs. A better understanding of decisions and objectives of spatially relevant actors should be helpful for more targeted approaches to investors of the housing sector in context of communicative planning efforts. Urban development is a complex process and the currently explanation thereof either based on geographical cycle-models, e.g. VAN DEN BERG, LICHTENBERGER, FRIEDRICHs, or with respect to certain single issues, which were analyzed at the urban district or neighborhood level. On both ways hard economic site facts of real estate market like the ground rent play a significant role. The assessment of location quality is a key criterion for investment decisions. The spatial characteristics of a location are thereby mostly understood in terms of a "container space" as a given environment of economic activities. The economic actors act either as pure utility maximizer, such as the "homo economicus" in neoclassical theories or, as "satisficers" in newer behavioral sciences approaches. But the described different neighborhood development in Leipzig and Dresden is hardly to explain with a theory founded only rationally acting entrepreneur models. In these circumstances a further empirical study based on social the constructivist approach of newer knowledge sociology seems to make sense to identify and analyze the reason of actions of relevant actors of urban development. According to BERGER, LUCKMANN and SCHÜTZ the underlying reasons of actions can be understood by the identification and analysis of the corresponding communicative types and relevance structures. In this case investment decisions are dependent on the particular stock of knowledge of decision makers. In order to acquire relevant data for answering the research question, problem-centered and semi-structured interviews were conducted each with nine experts in Leipzig and Dresden. The evaluation of data was done by means of social sciences hermeneutic. The in advance theory-based derived types of actors and their supposed reasons were used as orientation. When analyzing the interviews it became clear that the diversity in interpretations of spatial situations by the interviewed actors depends especially on several purposes of market sectors, company-specific circumstances and subjective preferences of the actors. The constitution of space or residential areas is primarily based on experiences, that is to say decision-makers orientate oneself on established entrepreneurial concepts and spatially ideas. So it became clear that the "informativ-signifikativen Geographien des Alltags", means the geography-making by emotionally "Sense-Charging" of areas and locations, depending on the respective stock of knowledge, are essential for the development of different residential areas in a city. A social constructivist perspective is therefore useful to understand the social correlated background of communicative space constitution and thereon founded entrepreneurial activities.
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus4-57788
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/4518
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-4221
Exam Date: 28-Apr-2014
Issue Date: 4-Nov-2014
Date Available: 4-Nov-2014
DDC Class: 300 Sozialwissenschaften
Subject(s): Stadtgeographie
Stadtsoziologie
Wohnungswirtschaft
Standortbewertung
Raumkommunikation
Urban renewal
urban sociology
housing
site assessment
spatial communicative processes
Usage rights: Terms of German Copyright Law
Appears in Collections:Technische Universität Berlin » Fakultäten & Zentralinstitute » Fakultät 6 Planen Bauen Umwelt » Institut für Soziologie » Publications

Files in This Item:
File Description SizeFormat 
kuettner_leander.pdf2.01 MBAdobe PDFThumbnail
View/Open


Items in DepositOnce are protected by copyright, with all rights reserved, unless otherwise indicated.