Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-4360
Main Title: Musik und Film
Subtitle: Aneignung der Wirklichkeit ; Filmkomposition zu Beginn des Tonfilms
Translated Title: Music and film
Translated Subtitle: the aquisition of reality ; composition for the film at the beginning of the sound film
Author(s): Stern, Dietrich
Referee(s): Dahlhaus, Carl
de la Motte-Haber, Helga
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät I - Geisteswissenschaften
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: Die Arbeit konzentriert sich auf einen historisch entscheidenden Punkt im Verhältnis von Film und Musik, den Beginn des Tonfilms und die damit verbundenen Experimente und Diskussionen. Die Übergangszeit vom späten Stummfilm zum frühen Tonfilm (1927 bis 1930) lässt viele Fragen des Mediums Film und der Rolle der Musik darin neu und vorurteilslos hervortreten. Es ist, als würden die Karten neu gemischt, und als könnte ein tieferes Verständnis für die Bedingungen, Einschränkungen und Chancen der Filmmusik gewonnen werden. Die Dissertation hat darum auch ein theoretisches Anliegen. Eine offene historische Situation lädt dazu ein, grundsätzliche Überlegungen zur sinnlichen Wahrnehmung, zum Unterschied zwischen optischer und akustischer Apperzeption und, darauf aufbauend, zu den grundlegenden Differenzen der musikalischen und filmischen Darstellung anzustellen. Wenn die sinnliche Wahrnehmung als eine jeweils spezifische Art von „Aneignung“ begriffen werden kann – hier folgt die Arbeit Henri Bergson -, dann müssen die Konventionen und Gewohnheiten, die sich im Stummfilm ausbildeten und die im Hollywood-Film wie im Film des „Sozialistischen Realismus“ fortgesetzt und perfektioniert wurden, einer grundlegenden Kritik unterzogen werden, so wie es Adorno und Eisler in ihrem Standardwerk „Komposition für den Film“ exemplarisch getan haben. Auf den Ebenen des Materials, der Sprache und der Dramaturgie werden die Grundlagen des Films und der Musik ausführlich diskutiert, mögliche Gemeinsamkeiten gesucht und die Differenzen herausgearbeitet. Das Ziel dieser theoretischen Auseinandersetzung ist es, einen Einsatz der Musik im Film zu beschreiben, der nicht beide Darstellungsformen in unkritischer Funktionalisierung beschädigt, sondern der aus einer Selbständigkeit der Elemente gerade die Möglichkeiten größerer Produktivität entstehen lässt. Um dieser These gerecht zu werden, versucht die Arbeit, einen systematischen mit einem historischen Ansatz zu vereinen. Die Untersuchung geht aus von den Tonfilmexperimenten bei den Baden-Badener Kammermusik-Tagen, die von Paul Hindemith und dem Film-Unternehmer Guido Bagier initiiert wurden. Weitere wichtige Komponisten der Zeit wie Darius Milhaud und Hanns Eisler wurden in diese Experimente zwischen 1927 und 1929 mit einbezogen. Allerdings wirkte auch manche dort gestellte Aufgabe sehr naiv oder abstrakt, wenn es nur darum ging, zwischen bewegten Bildern und Musik äußerliche Analogien zu finden. Immerhin kamen sich hier die aktuelle, moderne Musik der Zeit und der seine Technik gerade revolutionierende Film entgegen. Auf beide zunächst disparate Felder wird in der Arbeit eingegangen. Es geht darum, die Chancen einer ästhetisch wie technisch offenen Situation zu beschreiben. Die Arbeit dehnt deshalb den Bogen der Untersuchung weiter aus auf wichtige Werke der Film- musik zum Ende des Stummfilms wie zu Beginn des Tonfilms, z. B. von Erik Satie, Dmitri Schosta-kowitsch und Sergej Prokofiew, aber auch auf den Schlager- und Revuefilm mit Komponisten wie Werner Richard Heymann. Die Situation der „modernen Musik“ Mitte bis Ende der 20er Jahre lässt das große Interesse auch der wichtigen Komponisten für den Film verständlich erscheinen. Sie empfanden immer stärker ihre Entfremdung von einem breiten Publikum und versuchten mit Konzepten wie der „Gebrauchsmusik“ (Hindemith) oder der „Angewandten Musik“ (Eisler) dem entgegen zu wirken. Sie spürten aber auch, dass die Umwälzungen der Musik im 20. Jahrhundert diese auch sprachlich und technisch dem Film näher gebracht hatten. Aus der Beschäftigung mit dieser experimentierfreudigen Zeit versucht die Untersuchung, Ideen und Anregungen zu gewinnen, die der Gedanken- und Gefühlsarmut der allgegenwärtigen Musikberieselung in Film (und Fernsehen) heute entgegenwirken, und auf die Möglichkeiten kluger, ernstzunehmender Musik im Film hinzuweisen. Die grundlegenden Diskussionen jener Zeit legen jedenfalls eine Fülle von Fragen offen, die auch heute der weiteren Erörterung wert sind
This work is focussing on an a decisive historical moment in the relation of film and music: the beginning of the sound film and the discussions and experiments around that. The change from the late silent movie to the early sound film (1927 – 1930) poses many questions about the media film and the role of music in it in a new, unbiased way. It seems that the „cards were reshuffeld“, so that a new and deeper understanding of the conditions, restrictions and chances of film music can be gained. So the dissertation has also a theoretical concern. An open historical situation invites to think fundamentally about sensual perception, the difference of the optical and acoustical sense and – in consequence – the basic differences between musical and cinematic presentation. If sensual perception can be understood as respectively different kind of „aquisition“ - the thesis follows Henri Bergson in this aspect – then the customs and conventions, which originated in the silent movie and perpetuated and were perfected in the Hollywood film and the „socialistic realism“, must be critisized in the way, Adorno and Eisler prescribed in their standard work „Composing for the Film“. On the levels of „material“, „language“ and „dramaturgy“ fundaments of film and music are discussed, their possible communalities and differences carved out. The aim of this theoretical argument is to describe a use of music in film, which does not damage both in uncritical functionalisation, but enables a wider productivity through the independance of the elements. To accomplish this thesis, the work strives to combine a historical with a systematical approach. The investigation starts with the sound film experiments at the Baden-Baden „Days of Chambermusic“, which were initiated by Paul Hindemith and the film entrepreneur Guido Bagier. Important composers of the time, such as Darius Milhaud and Hanns Eisler were involved in the experiments between 1927 and 1929. However some problem, which was posed there, seemed to be naiv or abstract, when the question was only to find analogies on the surface between moving pictures and music. Nevertheless, modern, actual music and film, which revolutioned its technics in this moment, converged here. Both disparate areas are investigated in this dissertation, to find out the chances of an esthetically and technically open situation. So the range of investigation is enlarged to important works of film music at the end of the silent movie and the beginning of the sound film, for example by Erik Satie, Dmitri Shostakowitsh and Sergej Prokofiew, but also to the popular musical film by composers like Werner R. Heymann. The situation of modern music from the middle to the end of the „Twenties“ makes understandable the great interest of important composers for the film. They felt alienated to the wider public, and tried to compensate this with concepts like „Gebrauchsmusik“ (music for use, Hindemith) or „Angewandte Musik“ (applied music, Eisler). They also knew that the technical revolutions of music in the 20th century brought it nearer to the technics and language of the film. Regarding these experiments, the investigation tries to win new impulses and ideas, to overcome the present poverty of ideas and emotions in the permanent overwhelming with music in cinema and TV today, and so to point out possibilities of intelligent, serious music in film. The questions of the time of early sound film are still worth to be discussed continually.
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus4-63326
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/4657
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-4360
Exam Date: 22-Nov-1982
Issue Date: 27-Apr-2015
Date Available: 27-Apr-2015
DDC Class: 700 Künste; Bildende und angewandte Kunst
Subject(s): Tonfilm
Musik
Komposition
Filmmusik
Soundfilm
music
filmmusic
composition
Creative Commons License: https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/
Appears in Collections:Technische Universität Berlin » Fakultäten & Zentralinstitute » Fakultät 1 Geistes- und Bildungswissenschaften » Publications

Files in This Item:
File Description SizeFormat 
stern_dietrich.pdf147,5 MBAdobe PDFThumbnail
View/Open


Items in DepositOnce are protected by copyright, with all rights reserved, unless otherwise indicated.