Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-5463
Main Title: Cyberbullying, Mediennutzung und ethische Medienkompetenz
Subtitle: Analyse quer- und längsschnittlicher Zusammenhänge
Translated Title: Cyberbullying, media use and ethical media competence
Translated Subtitle: analyzing cross-sectional and longitudinal associations
Author(s): Müller, Christin R.
Advisor(s): Pfetsch, Jan
Referee(s): Ittel, Angela
Strohmeier, Dagmar
Granting Institution: Technische Universität Berlin
Type: Doctoral Thesis
Language Code: de
Abstract: Die Nutzung digitaler Medien zur Information, Unterhaltung und Kommunikation ist zentraler Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen: 75 % bis 84 % der 6–13-Jährigen und 93 % bis 94 % der 12–19-Jährigen nutzten 2014 Mobiltelefone und das Internet mehrmals wöchentlich bis täglich (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest [MPFS], 2014, 2015). Diese wöchentliche bis tägliche Nutzung digitaler Medien ist mit zahlreichen Chancen, aber auch mit Inhalts, Kontakt- und Verhaltensrisiken verbunden, z. B. Cyberbullying (Guan & Subrahmanyam, 2009; Hinduja & Patchin, 2008; Livingstone, Haddon, Görzig & Ólafsson, 2011). Cyberbullying wird in Anlehnung an die Definition traditionellen Bullyings als “any behavior performed through electronic or digital media by individuals or groups that repeatedly communicates hostile or aggressive messages intended to inflict harm or discomfort on others” definiert (Tokunaga, 2010, S. 278). Die Nutzung digitaler Medien ist also eine Bedingung bzw. ein möglicher Risikofaktor für Cyberbullying. Demgemäß verweisen einige Studien auf einen positiven Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Mediennutzung und Cyberbullying (Täterperspektive) bzw. Cyberviktimisierung (Opferperspektive) (z. B. Erdur-Baker, 2010; Görzig, 2011; Hinduja & Patchin, 2008). Andere Studien zeigen, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Mediennutzung, Cyberbullying und Cyberviktimisierung gibt (z. B. Vandebosch & van Cleemput, 2009; Cappadocia, Craig & Pepler, 2013). Wieder andere Studien zeigen, dass der Zusammenhang variiert, je nachdem, ob die Mediennutzung die Häufigkeit der Mobiltelefon- oder der Internetnutzung beinhaltet (z. B. Mark & Ratliffe, 2011; You & Lim, 2016). Studie 1 der vorliegenden Dissertation untersuchte daher, ob die Häufigkeit der Mediennutzung, Cyberbullying und Cyberviktimisierung querschnittlich zusammenhängen bzw. ob sich Cyberbullies, Cybervictims und Unbeteiligte in Bezug auf die Häufigkeit der Mobiltelefon- und Internetnutzung voneinander unterscheiden. Angenommen wurde, dass Cyberbullies und Cybervictims Mobiltelefone und das Internet häufiger und vielfältiger nutzen als Unbeteiligte. Die uni- und multivariaten Varianzanalysen zeigen, dass Mädchen und ältere Kinder und Jugendliche (13–16 Jahre) Mobiltelefone für Anrufe und SMS, das Internet und soziale Netzwerke häufiger und vielfältiger nutzen als Jungen und jüngere Kinder und Jugendliche (8–12 Jahre). Entgegen der Annahmen nutzen aber Cyberbullies und Cybervictims unter statistischer Kontrolle von Geschlecht und Alter Mobiltelefone und das Internet nicht grundsätzlich häufiger und vielfältiger als Unbeteiligte. Cyberbullies und ältere Cybervictims nutzen Mobiltelefone häufiger zum Senden und Empfangen von SMS als Unbeteiligte. Cyberbullies und Cybervictims nutzen zudem das Internet, nicht aber soziale Netzwerke häufiger und vielfältiger als Unbeteiligte. Unklar bleibt an dieser Stelle, ob die häufige und vielfältige Mediennutzung eher eine Ursache (Sozialisationshypothese) oder eine Wirkung (Selektionshypothese) von Cyberbullying und Cyberviktimisierung ist. Studie 2 der vorliegenden Dissertation untersuchte daher, ob die Mediennutzung, Cyberbullying und Cyberviktimisierung längsschnittlich zusammenhängen. Angenommen wurde, dass die Mediennutzung, Cyberbullying und Cyberviktimisierung moderat stabil sind. Die Stabilität sollte zwischen benachbarten Messzeitpunkten größer sein als zwischen weiter entfernten Messzeitpunkten. Darüber hinaus wurde angenommen, dass die Mediennutzung eine Ursache bzw. ein Risikofaktor für Cyberbullying und Cyberviktimisierung ist. Die Cross-Lagged-Panel-Analysen zeigen, dass die Mediennutzung moderat stabil, Cyberbullying nicht stabil und Cyberviktimisierung stabil ist. Anders als angenommen gibt es zwischen der Mediennutzung, Cyberbullying und Cyberviktimisierung keinen systematischen Zusammenhang. Die Mediennutzung korreliert querschnittlich teils positiv mit Cyberbullying und Cyberviktimisierung, ist allerdings längsschnittlich weder eine Ursache noch eine Wirkung von Cyberbullying und Cyberviktimisierung. Demzufolge gibt es vermutlich eine Drittvariable, die einen Effekt auf die Mediennutzung und auf Cyberbullying bzw. Cyberviktimisierung hat, z. B. Medienbesitz oder Medienkompetenz. Medienkompetenz beinhaltet die medienkundliche, praktisch-instrumentelle, kreativ-gestalterische, selbst-reflexive, ethische und affektive Medienkompetenz, also das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit eines Individuums oder eines sozialen Systems, „technische Medien effektiv zur Kommunikation einsetzen sowie ihre Wirkung reflektieren und steuern zu können“ (Gapski, 2006, S. 19). Die ethische Medienkompetenz ist im Zusammenhang zwischen der Mediennutzung, Cyberbullying und Cyberviktimisierung besonders zentral. Denn zum einen können Kinder und Jugendliche mit einer stark ausgeprägten ethischen Medienkompetenz ihr Verhalten und die daraus resultierenden Konsequenzen angemessener einschätzen (Sitzer, Marth, Kocik & Müller, 2012). Zum anderen sind Kinder und Jugendliche mit einer stark ausgeprägten ethischen Medienkompetenz durch ihren reflektierten Umgang mit digitalen Medien (z. B. im Hinblick auf den Schutz persönlicher Informationen) weniger anfällig für Cyberviktimisierung (Sitzer et al., 2012). Studie 3 der vorliegenden Dissertation untersuchte daher, ob die ethische Medienkompetenz den Zusammenhang zwischen der Mediennutzung, Cyberbullying und Cyberviktimisierung moderiert. Angenommen wurde, dass die Mediennutzung einen positiven und die ethische Medienkompetenz einen negativen Effekt auf Cyberbullying und Cyberviktimisierung hat. Zudem wurde angenommen, dass die ethische Medienkompetenz den positiven Effekt der Mediennutzung auf Cyberbullying und Cyberviktimisierung abpuffert. Die Moderationsanalysen zeigen, dass die Mediennutzung keinen signifikanten Effekt auf Cyberbullying, aber auf Cyberviktimisierung hat. Die ethische Medienkompetenz hat, wie angenommen, einen negativen Effekt auf Cyberbullying und Cyberviktimisierung – und zwar insbesondere bei mittlerer bis hoher Mediennutzung. Kinder und Jugendliche mit schwach ausgeprägter ethischer Medienkompetenz sind also häufiger in Cyberbullying und Cyberviktimisierung involviert als Kinder und Jugendliche mit durchschnittlich bis stark ausgeprägter ethischer Medienkompetenz. Zusammenfassend zeigen die Studien 1, 2 und 3, dass die Häufigkeit der Mediennutzung eine notwendige Bedingung, aber – insbesondere bei durchschnittlich bis stark ausgeprägter ethischer Medienkompetenz – kein Risikofaktor für Cyberbullying und Cyberviktimisierung ist. Demzufolge ist die Förderung ethischer Medienkompetenz eine mögliche Maßnahme zur Prävention und Intervention bei Cyberbullying.
The use of digital media for information, entertainment, and communication is an integral part of adolescents’ everyday life. In 2014, 75 % to 84 % of 6–13-year-old and 93 % to 94 % of 12–19-year-old used mobile phones and the internet several times a week, or daily (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest [MPFS], 2014, 2015). This weekly, or even daily use of digital media is associated with numerous opportunities, but also with content, contact and conduct risks such as cyberbullying (Guan & Subrahmanyam, 2009; Hinduja & Patchin, 2008; Livingstone, Haddon, Görzig & Ólafsson, 2011). Cyberbullying refers to “any behavior performed through electronic or digital media by individuals or groups that repeatedly communicates hostile or aggressive messages intended to inflict harm or discomfort on others” (Tokunaga, 2010, S. 278). The use of digital media, therefore, is a precondition or a possible risk factor for cyberbullying. Accordingly, several studies show a positive association between the frequency of media use and cyberbullying (perpetrator perspective) or cybervictimization (victim perspective) (e.g., Erdur-Baker, 2010; Görzig, 2011; Hinduja & Patchin, 2008). Other studies, in contrast, show no association between the frequency of media use and cyberbullying or cybervictimization (e.g., Vandebosch & van Cleemput, 2009; Cappadocia, Craig & Pepler, 2013). Still other studies show that the association varies depending on whether media use includes the frequency of mobile phone or internet use (e.g., Mark & Ratliffe, 2011; You & Lim, 2016). Therefore, study 1 of the present dissertation examined whether the frequency of media use and cyberbullying, or cybervictimization are associated cross-sectionally. We assumed that cyberbullies and cybervictims use mobile phones and the internet more often, and more diverse than bystanders. The uni- and multivariate analyses show that girls and older children and adolescents (13–16 years) use mobile phones (calls and SMS) and the internet (internet and social networks) more often and more diverse than boys and younger children and adolescents (8–12 years). Contrary to the assumption, cyberbullies and cybervictims do not always use mobile phones and the internet more often and more diverse than bystanders when statistically controlling for gender and age. Cyberbullies and older cybervictims more frequently send and receive SMS than bystanders. Furthermore, cyberbullies and cybervictims use the internet, but not social networks more often and more diverse than bystanders. At this point, however, it remains unclear whether the frequency of media use is a cause (socialization hypothesis) or an effect (selection hypothesis) of cyberbullying and cybervictimization. Therefore, study 2 of the present dissertation examined whether the frequency of media use and cyberbullying, or cybervictimization are associated longitudinally. We hypothesized that the frequency of media use, cyberbullying and cybervictimization are moderately stable over time. The stability should be greater between adjacent measurement points than between more distant measurement points. Furthermore, we assumed that the frequency of media use is a longitudinal risk factor of cyberbullying and cybervictimization. The cross-lagged-panel analyses show that the frequency of media use is moderately stable, cyberbullying is not stable and cybervictimization is highly stable over time. Different than assumed, there is no systematic relationship between the frequency of media use and cyberbullying, or cybervictimization. The frequency of media use correlates with cyberbullying and cybervictimization cross-sectionally, but is no cause or effect of cyberbullying and cybervictimization longitudinally. Consequently, there may be a third variable that has an effect on the frequency of media use and on cyberbullying, or cybervictimization, e.g., media ownership or media competence. Media competence includes the knowledgeable, instrumental, creative, critical, ethical, and emotional media competence, that is the knowledge, motivation and ability of an individual or a social system to effectively use and reflect digital communication media (Gapski, 2006). In the association between the frequency of media use and cyberbullying, or cybervictimization, the ethical media competence is most relevant. On the one hand, children and adolescents with high levels of ethical media competence can evaluate their behavior and the resulting consequences appropriately (Sitzer, Marth, Kocik & Müller, 2012). On the other hand, children and adolescents with high levels of ethical media competence are less vulnerable to cybervictimization due to their reflected use of digital media (e.g. with regard to protecting personal information) (Sitzer et al., 2012). Therefore, study 3 of the present dissertation examined whether ethical media competence moderates the association between the frequency of media use and cyberbullying, or cybervictimization. We hypothesized that the frequency of media use has a positive and the ethical media competence has a negative effect on cyberbullying and cybervictimization. Moreover, we assumed that the ethical media competence buffers the positive effect of the frequency of media use on cyberbullying and cybervictimization. The moderation analyses show that the frequency of media use has no significant effect on cyberbullying, but on cybervictimization. As expected, the ethical media competence has a negative effect on cyberbullying and cybervictimization – namely at medium and high levels of media use. Accordingly, children and adolescents with low levels of ethical media competence are involved in cyberbullying and cybervictimization more often than children and adolescents with medium and high levels of ethical media competence. In summary, the studies 1, 2, and 3 show that the frequency of media use is a necessary precondition, but – particularly at medium and high levels of ethical media competence – not a risk factor for cyberbullying and cybervictimization. Consequently, promoting ethical media competence is a possible preventive measure for both cyberbullying and cybervictimization.
URI: http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/5867
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-5463
Exam Date: 24-Aug-2016
Issue Date: 2016
Date Available: 1-Sep-2016
DDC Class: DDC::300 Sozialwissenschaften
Subject(s): Cyberbullying
ethische Medienkompetenz
Mediennutzung
Querschnitt
Längsschnitt
ethical media competence
media use
cross-sectional
longitudinal
Creative Commons License: https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/
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