Please use this identifier to cite or link to this item: http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-5468
Main Title: Architektur osmanischer Karawanseraien
Subtitle: Stationen des Fernverkehrs im Osmanischen Reich
Translated Title: Architecture of Ottoman caravanserais
Translated Subtitle: stations for long-distance traffic in the Ottoman Empire
Author(s): Wimmel, Robin
Advisor(s): Cramer, Johannes
Referee(s): Cramer, Johannes
Kreiser, Klaus
Granting Institution: Technische Universität Berlin
Type: Doctoral Thesis
Language Code: de
Abstract: Karawanseraien, Herbergsbauten entlang von Fernrouten, stellten eine der wichtigsten Baugattungen im Orient dar. Die Hauptgruppen werden heute üblicherweise nach islamischen Dynastien unterschieden. Besonders zu Karawanseraien der Ayyubiden und Mamluken in Großsyrien, der anatolischen Seldschuken und der Safawiden im Gebiet des Iran liegen auf die Erfassung der gesamten Gruppen zielende Studien vor. Hier bestand bezüglich im Kontext osmanischer Herrschaft erbauter Karawanseraien bisher eine Lücke. Diese Arbeit versucht die weitestgehende Aufnahme des Bestandes noch ganz oder teilweise erhaltener Bauten. Damit soll auch die Grundlage für weiterführende Forschung über die hier angestellten Untersuchungen hinaus verbessert werden. Die Arbeit, gegliedert in einen analytischen und einen Katalogteil, beinhaltet 73 Karawanseraien, heute auf neun Nationalstaaten verteilt. Auf Surveys 2008 und 2010 wurden 43 Bauten vor Ort untersucht, darunter unpublizierte. Zusätzlich bezieht die Arbeit eine Auswahl historischer Reiseberichte als Quellen mit ein. Von zentralem Interesse ist, was das spezifisch ‚Osmanische‘ an den Karawanseraien ausmacht. Wie vollzog sich der Prozeß neuer Formfindungen, eng gekoppelt an die zeitlich-räumliche Ausdehnung der Territorien, zu einer gegenüber den anderen Vertretern der Baugattung eigenständigen, erkennbar osmanischen Karawanserai-Architektur? Osmanische Karawanserai-Bautätigkeit fand über einen Zeitraum von 350 Jahren statt. Die Bauten dienten der kostenlosen Unterbringung aller Reisender und waren Bestandteile wohltätiger Stiftungen hochgestellter Persönlichkeiten. Bereits zu Beginn, im späten 14. Jahrhundert, waren die Kernelemente der Halle kombiniert mit kleinen Raumeinheiten sowie fest eingebauter Feuerstellen mit Rauchabzug vorhanden. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts fand eine eher moderate Bauaktivität statt, doch entstand ein erstes Repertoire osmanischer Karawanserai-Formen. Gekoppelt an die Etablierung einer Reichsarchitektur, vollendet durch den Chef der zentralen Baubehörde Mimar Sinan, wurden die Karawanseraien zu Zeichen der staatlichen Einflußsphäre. Die Osmanisierung entlang der wichtigsten Verkehrskorridore im ab 1516 eroberten Großsyrien setzte allerdings, gegenüber innerstädtischen Bauaktivitäten in Aleppo und Damaskus, mit großer Verzögerung ein. Sultan Süleyman veranlaßte ab 1550 einige Bauten besonders für den Pilgerverkehr auf der Hauptroute. Erst in der Folge dieser Interventionen begannen osmanische Würdenträger mit dem Bau von Karawanseraien in Großsyrien. Nun entstanden, durchaus in fruchtbarer Wechselwirkung mit der starken regionalen Bautradition, einige der architektonisch ambitioniertesten osmanischen Halteplatz-Komplexe auf den syrischen Hauptrouten. Diese Routen waren Bestandteile der ‚Großen Diagonalstraße‘, dem wichtigsten osmanischen Landweg, von Belgrad über Istanbul nach Damaskus führend. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts war die ‚Große Diagonalstraße‘ Schwerpunkt des Karawanserai-Baus. Bedeutend für die Hadsch, besaß die Stiftung von Karawanseraien dort hohes Prestige; den rumelischen Teil bereisten neben dem Hof des Sultans (zwischen Istanbul und Edirne) die zahlreichen Gesandtschaften aus Westeuropa. Im 17. Jahrhundert setzte sich die Bautätigkeit mit aufwendiger und innovativer Architektur fort, ganz im Gegensatz zum kaum mehr bedeutenden Moscheebau. Die Standorte teils kolossal wirkender Bauten befinden sich in Anatolien nun auch abseits der ‚Großen Diagonalstraße‘. Hier waren die Karawanseraien vermutlich auch Bestandteile von Infrastrukturmaßnahmen, um die zerrütteten Verhältnisse in von Aufständen betroffenen Siedlungsgebieten wieder zu konsolidieren. Spätestens um 1700 kommt die Bauaktivität weitgehend zum Stillstand. Die genauen Ursachen bedürfen noch weiterer Klärung. Neben einem gewissen Sättigungseffekt von Karawanseraien auf der von Bauherren bevorzugten ‚Großen Diagonalstraße‘ hat vermutlich auch ein Wandel des Stiftungswesens eine Rolle gespielt. Als endgültig letzte der großen osmanischen Straßenstationen konnte eine 1752 in Syrien errichtete Karawanserai festgestellt werden. In den 350 Jahren Bautätigkeit kam eine Fülle von Plänen und Konstruktionen zur Anwendung. Einerseits wurden ‚typisch‘ osmanische Kernelemente, verbunden mit lokalen Bauformen, in immer neuen Konstellationen verwendet. Doch fanden besonders hinsichtlich der Plantypen wesentliche Innovationen statt. Hervorzuheben sind als originär osmanischen Schöpfungen die Zweiflügel-Anlage aus Mittelhalle und seitlichen Hallen, die quererschlossene Halle mit angefügtem Arkadenhof mit Logisausstattung sowie die Hofkarawanserai mit Arkade. Diese andauernde Vitalität im architektonischen Schaffensprozeß, oder recherche architecturale, wie Jean Sauvaget sie erkannte, begründete sich in der durch die osmanische Baukultur geförderte Integration der Vielfalt regionaler Traditionen in eine Reichsarchitektur, kombiniert mit kreativer Freiheit beim Erproben neuer Formen.
Caravanserais, buildings for lodging on the long-distance routes, constituted one of the most important building genres in the Orient. The main groups are usually distinguished by Islamic dynasties today. In particular on caravanserais of the Ayyubids and Mamluks in Greater Syria, the Anatolian Seljuks, and the Safavids in the territory of Iran studies aiming to capture the whole groups are available. Concerning caravanserais constructed in an Ottoman context a gap did exist so far. This work attempts to incorporate to the greatest possible extent the entirely or partly preserved structures. By this means, also the base for further research beyond the here made investigations should be improved. The work, structured in an analytical and a catalogue part, comprises 73 caravanserais dispersed to nine nations today. Surveys in 2008 and 2010 allowed to investigate 43 structures on the spot including some unpublished ones. As sources the work additionally integrates a choice of historical travelogues. Of central interest is to determine what constitutes the specific ‘Ottoman’ character of the caravanserais. How performed the process of innovative formfinding, closely linked to a spatio-temporal expansion of territories, towards a recognisable Ottoman caravanserai architecture largely independent from other members of the building genre? Ottoman caravanserai-building activity took place over a period of 350 years. The structures were components of pious foundations of high-ranking personalities and served free accommodation of all travellers. Already in the beginning in the late 14th century, the core elements of hall combined with smaller space units and integrated fireplaces with chimneys were present. Until the mid-16th century building activity remained rather moderate, however, a first repertoire of Ottoman caravanserai forms came into being. Linked to the establishment of an imperial architecture, completed by the chief of the central construction authority Mimar Sinan, caravanserais became signs of the state’s sphere of influence. The Ottomanisation along the main traffic corridors in 1516/17 conquered Greater Syria, however, started compared to inner-city building activities in Aleppo and Damascus with great delay. Sultan Süleyman commissioned some structures especially for pilgrim traffic after 1550. Only in consequence of these interventions began Ottoman dignitaries with the construction of caravanserais in Greater Syria. On the main routes now emerged, by all means in some fruitful interaction with strong domestic building traditions, some of the architecturally most ambitions Ottoman halting-place complexes ever built. The Syrian routes were parts of the ‘Great Diagonal Road,’ most important Ottoman land communication from Belgrade via Istanbul to Damascus. Until the end of the 16th century the ‘Great Diagonal Road’ remained focus of caravanserai construction. Due to the significance for the Hajj, the founding of caravanserais was of high prestige there; on the Rumelian part travelled besides the sultanic court (between Istanbul and Edirne) numerous embassies from Western Europe. In the 17th century the construction activity continued with elaborate and innovative architecture – much in contrast to increasing less important mosque construction. Partly colossal appearing structures are now also located at places off the ‘Great Diagonal Road.’ Caravanserais assumedly were components of infrastructure measures for a re-establishment of safe conditions in shattered settlement zones hit by uprisings. Around 1700 at the latest construction activity comes to a standstill. The exact reasons need to be more closely examined. Besides a certain saturation effect concerning caravanserais on the by patrons preferred ‘Great Diagonal Road,’ probably a shift in the foundation system played a role. As definitely last of the great Ottoman roadside inns a caravanserai could be determined that was erected in Syria in 1752. In the 350 years of construction activity a plenitude of plans and constructions was applied. On one hand, ‘typical’ Ottoman core elements, in connection with local architectural forms, were used steadily in new constellations. But at the same time substantial innovations especially in regard of plan types took place. To be emphasised as genuine Ottoman creations are the two-wing structure of central hall with lateral halls, the hall with attached arcades with lodging facilities, and the courtyard caravanserai with arcades. This ongoing vitality in the process of construction, or recherche architecturale as it was stated by Jean Sauvaget, based on Ottoman building culture with its integration of the manifoldness of regional traditions in one imperial architecture, combined with creative freedom to try out new forms.
URI: http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/5872
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-5468
Exam Date: 28-May-2015
Issue Date: 2016
Date Available: 6-Sep-2016
DDC Class: DDC::700 Künste und Unterhaltung::720 Architektur::724 Architektur ab 1400
Subject(s): Karawanseraien
Osmanisches Reich
historische Fernrouten
islamische Architektur
caravanserais
Ottoman Empire
historic routes
Islamic architecture
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