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Main Title: Lebenserfahrung und Theorieproduktion. Fritz Perls in Berlin 1893-1933
Subtitle: Ein Beitrag zur deutschen Vorgeschichte und zugleich zur Aktualität von Gestalttherapie und Gestaltpädagogik
Translated Title: Life experience and Theory production. Fritz Perls in Berlin 1893-1933.
Author(s): Bocian, Bernd
Advisor(s): Frech, Hartmut
Granting Institution: Technische Universität Berlin, Fakultät I - Geisteswissenschaften
Type: Doctoral Thesis
Language: German
Language Code: de
Abstract: Ausgehend von der Gestalttherapie hat sich der Gestaltansatz im Kontext von Pädagogik, Beratung und Supervision verbreitet und durchgesetzt. In der vorliegenden Arbeit wird erstmals der zeitgeschichtliche Hintergrund dieses Ansatzes an Hand der ersten vierzig Lebensjahre von Friedrich Salomon Perls analysiert. Es wird deutlich, daß zentrale Haltungen, Theorien und Methoden des Gestaltansatzes wesentlich ein durch den deutschen Nationalsozialismus vertriebenes Erbe beinhalten. Was mit Fritz Perls 1933 aus Deutschland geflohen ist, sind im Kern die Erfahrungen der sogenannten expressionistischen Generation. Die hier vorgelegte Teilbiographie von Perls beschreibt die typischen Sozialisationsetappen dieser Generation: Das Patriarchat der Wilhelminischen Zeit, die traumatischen Erfahrungen des ersten Weltkrieges, Revolution und Konterrevolution, die kulturelle Explosion der Weimarer Jahre, die politische Radikalisierung nach links und schließlich die Emigration. Die gesellschaftlichen Außenseiter und Pioniere der Moderne erlebten und erlitten den in Deutschland und speziell in der Metropole Berlin rasch voranschreitenden Modernisierungsprozeß am bewußtesten. Auf vorgeschobenem Posten versuchten sie mit dem umzugehen, was von aktuellen Zeitdiagnostikern (Baumann, Beck, Keupp, etc.) als Gefahr und Chance für die Identitätsbildung der Menschen in den heutigen Industrienationen benannt wird: Pluralität der Weltdeutungen und Sinngebungen, Ich-Dissoziation und Mehrfachpersönlichkeit, Entfremdungserfahrungen und Entwurzelung, Auflösung der traditionellen sozialen Einbindungen und Druck zur individuellen Selbstbeschreibung etc. In den Gestaltansatz sind Lebens- und Überlebenserfahrungen der emigrierten deutschen Großstadtavantgarde eingegangen, die der Jetzt-Zeit in Bezug auf die Gefahren und Möglichkeiten einer Identitätsentwicklung unter Individualisierungsbedingungen etwas zu sagen haben. Auf den jüdischen Hintergrund von Perls, der die genannten Einflußfaktoren auf den Selbstbildungsprozeß noch einmal zusätzlich radikalisierte, wird in dieser Arbeit, wie auf viele andere biographisch wichtigen Einflüsse, erstmals gründlich und unter Hinzuziehung bisher nicht veröffentlichten Materials eingegangen.
URI: urn:nbn:de:kobv:83-opus-3939
http://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/788
http://dx.doi.org/10.14279/depositonce-491
Exam Date: 27-May-2002
Issue Date: 21-Jan-2003
Date Available: 21-Jan-2003
DDC Class: 150 Psychologie
Subject(s): Biographie
Expressionismus
Fritz Perls
Gestalttherapie.
Judentum
Psychoanalyse
Weimarer Republik
Biography
Expressionism
Fritz Perls
Gestalt-Therapy.
Judaism
Psychoanalysis
Republic of Weimar
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