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Climate change mitigation in the context of sustainable development

Stechow, Christoph von

FG Ökonomie des Klimawandels

The adoption of the Paris Agreement and the 2030 Agenda and its Sustainable Development Goals (SDGs) could make 2015 a defining year for setting human development on a more sustainable pathway. Both agendas are inextricably intertwined: On the one hand, unchecked climate change would be detrimental for sustainable and inclusive development around the world. This is why the global community committed to stay below a 2°C, possibly even below 1.5°C, rise in global mean temperature in the Paris Agreement, reflected in the 2030 Agenda (SDG #13). On the other hand, the Paris Agreement frames mitigation strongly in the context of sustainable development (SD). This is because climate policies – if designed poorly – could undermine SD in some non-climate dimensions but can otherwise yield substantial co-benefits for a number of SDGs. With such complex interactions between mitigation and SD, climate policy choices need to be informed by the best available science to harness synergies and address trade-offs across the many policy objectives. This thesis analyzes the implications of assessing climate change mitigation pathways in the context of SD and discusses the limitations, challenges and opportunities of such an approach. Due to the complexity, uncertainty and value judgements inherent in climate change research, the thesis draws on insights from disciplines beyond climate economics, such as engineering, political science as well as the humanities. The different chapters provide complementary perspectives on the interaction between mitigation and SD arguing for a more integrated analysis of the two policy agendas. To that end, the thesis offers concrete insights for interdisciplinary bioenergy research, multi-objective welfare economics and energy-economy-climate modelling. It develops, for example, a conceptual welfare-theoretic framework for better integrating insights on the interaction of mitigation and other sustainability objectives across different literature strands. It also shows that mitigation, in second-best settings, can have co-benefits for other sustainability goals with net welfare gains and can reduce short-term climate policy costs, particularly at the local and national level. Synthesizing the results of somewhat disparate strands of literature in a novel way confirms that reducing energy demand (e.g. via energy efficiency improvements) has highly synergistic effects. Taking an SD risk perspective reveals that weak short-term climate policies, particularly in combinations with technological constraints (e.g. on sustainable bioenergy potential), imply fewer synergies and substantial trade-offs. The thesis argues that an informed public debate about such risk trade-offs can improve the choice of mitigation pathways. To inform an improved dialogue between scientists and policymakers, all chapters discuss the challenges around better synthesis and integration of scientific results. By drawing on a specific approach to the science-policy interface (SPI), all chapters of the thesis develop recommendations for global environmental assessments in the field of mitigation. In its synthesis, the thesis highlights the challenges related to the unprecedented pace of knowledge production and points to both the raising complexity of embedding climate change research within a broader SD paradigm and the opportunities around an improved understanding of the SD implications of climate change mitigation. It concludes by questioning whether the current mandate of the Intergovernmental Panel on Climate Change provides the right setting to turn these challenges into opportunities for mitigation research and global assessment making.
Die Verabschiedung des Pariser Klima-Abkommens und der Agenda 2030 mit den nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) könnte 2015 zu einem entscheidenden Jahr machen, um Entwicklung auf einen nachhaltigeren Pfad zu setzen. Die beiden Politikagenden sind nicht voneinander zu trennen: Einerseits wäre ein unkontrollierter Klimawandel verheerend für einen nachhaltigen und inklusiven Entwicklungsfortschritt weltweit. Deshalb hat sich die Weltgemeinschaft im Pariser Abkommen das Ziel gesetzt, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 2°C, möglichst sogar auf 1,5°C, zu begrenzen, wie auch in der Agenda 2030 verankert (SDG #13). Gleichzeitig setzt das Pariser Abkommen Klimaschutz in den Kontext nachhaltiger Entwicklung. Denn Klimapolitik könnte bei schlechter Umsetzung die Erreichung einiger Entwicklungsziele in anderen Dimensionen gefährden, andernfalls aber zu erheblichem Nutzen für einige SDGs führen (co-benefits). Wegen dieser komplexen Verschränkungen zwischen Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung sind wissenschaftliche Erkenntnisse zentral für klimapolitische Entscheidungen, um vorhandene Synergien zu nutzen und Zielkonflikte zu berücksichtigen. Die vorliegende Arbeit analysiert die Auswirkungen, die sich aus der Bewertung von Klimaschutzpfaden im Kontext nachhaltiger Entwicklung ergeben, und erörtert die Grenzen, Herausforderungen und Chancen eines solchen Vorgehens. Wegen der in den Klimawissenschaften inhärenten Komplexität, Unsicherheit und Werturteilen bedient sich die Arbeit der Einsichten auch jenseits der Klimaökonomie, beispielsweise der Ingenieurs-, Politik- und Geisteswissenschaften. Die verschiedenen Kapitel ergänzen sich in ihren Perspektiven auf das Zusammenspiel von Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung und fordern allesamt eine integrierte Analyse der zwei politischen Agenden. Dazu leistet die Arbeit mit konkreten Ergebnissen für interdisziplinäre Bioenergieforschung, Mehrziel-Wohlfahrtsökonomie und Klima-Energie-Ökonomie-Modellierung einen Beitrag. Sie entwickelt zum Beispiel wohlfahrtstheoretische Überlegungen für eine bessere Berücksichtigung von Erkenntnissen aus dem Zusammenspiel von Klimaschutz und anderen Nachhaltigkeitszielen über verschieden Literaturstränge hinweg. Sie zeigt zudem, dass in sog. second-best settings Klimaschutz zu co-benefits für andere Nachhaltigkeitsziele mit einem Netto-Wohlfahrtsgewinn und zur Verringerung von kurzfristigen Klimaschutzkosten, insbesondere auf lokaler und nationaler Ebene, führen kann. Die Ergebnisse dieser zum Teil nebeneinanderstehenden Literaturstränge in innovativer Weise zu synthetisieren, bestätigt, dass niedrigerer Energieverbrauch (z. B. durch Energieeffizienzgewinne) hohe Synergieeffekte hat. Eine Risikoperspektive auf Nachhaltigkeitsziele verdeutlicht, dass geringe kurzfristige Klimaschutzambition, insbesondere in Verbindung mit technologischen Beschränkungen (z. B. für nachhaltiges Potential für Bioenergie), geringere Synergieeffekte und problematische Zielkonflikte nach sich ziehen können. Die Arbeit argumentiert, dass eine sachlich fundierte öffentliche Debatte zu den Risikoabwägungen zwischen den klimarelevanten Nachhaltigkeitszielen zu verbesserten Entscheidungen über Klimaschutzpfaden führen kann. Um den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik zu diesen Themen zu befördern, beschäftigen sich alle Kapitel mit den Herausforderungen einer besseren Synthese und Integration von Forschungsergebnissen. Auf Grundlage eines bestimmten Modells wissenschaftlicher Politikberatung entwickelt die Arbeit in allen Kapiteln Empfehlungen für Global Environmental Assessments im Bereich Klimaschutz. In der Schlussbetrachtung werden die Herausforderungen der Wissensexplosion betont; zudem wird auf die steigende Komplexität verwiesen, diese neuen Erkenntnisse der Klimaforschung im Nachhaltigkeitsparadigma einzubetten, sowie auf die Chancen, die mit einem verbesserten Verständnis der Auswirkungen von Klimaschutz auf nachhaltige Entwicklung einhergehen. Schließlich stellt die Arbeit in Frage, ob das Mandat des IPCC derzeit noch die richtigen Rahmenbedingungen hergibt, diese Herausforderungen in Chancen für Klimaschutz-Forschung und global assessment making zu wandeln.