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„Den Thalmud verbrennen“ (anno 1541)

Quezada Reed, Rodrigo; Technische Universität Berlin, Zentrum für Antisemitismusforschung

Zentrum für Antisemitismusforschung

1541 erscheint in Ingolstadt „Ains Juden büechlins verlegung“ aus der Feder des Gegenreformators Johannes Eck. Die Anklageschrift erneuert zahlreiche antijüdische Motive aus dem Mittelalter mit dem Ziel, den ad fontes Appell der Protestanten durch die Diskreditierung der Juden zu entkräften. In diesem Beitrag wird Ecks Versuch erfasst, eines dieser mittelalterlichen Motive zu philologisieren: die chemische Brunnenvergiftung. Eine solche Vergiftung wird von Eck als unausgesprochenes Erklärungsmodell für den angeblichen epistemologischen Verfall der hebräischen Sprache verwendet. Damit liegt ein weiterer Beweis für einschränkende Voraussetzungen antisemitischen Denkens vor.
In 1541, "Ains Juden büechlins verlegung" from the pen of the Counter-Reformer Johannes Eck appears in Ingolstadt. The indictment renews numerous anti-Jewish motifs from the Middle Ages with the aim of invalidating the ad fontes appeal of the Protestants by discrediting the Jews. This paper captures Eck's attempt to philologize one of these medieval motifs: chemical well poisoning. Such poisoning is used by Eck as an unspoken explanatory model for the alleged epistemological decline of the Hebrew language. This provides further evidence for limiting presuppositions of anti-Semitic thought.