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Unklare Grenzziehungen

zur Konstruktion von „Eigenem“ und „Fremdem“ in Aufnahmen deutscher Fotoamateure während des Zweiten Weltkriegs

Prehn, Ulrich; Technische Universität Berlin, Zentrum für Antisemitismusforschung (Organisation)

Der Aufsatz untersucht anhand zweier Fotoalben fotografische Selbst- und Fremdrepräsentationen während des Zweiten Weltkriegs. Wie werden „das Eigene“ und „das Fremde" in einem Album repräsentiert, das ein deutscher Wehrmachtsangehöriger im besetzten Frankreich anfertigte, sowie in einem Album, das vom Aufenthalt eines HJ-Angehörigen in Ungarn im Jahr 1943 zeugt? Wo zeigt sich Nähe – und wo Distanz? Im ersten Album ist die militärische Einheit, eine Wehrmacht-Fahrschwadron, der Hauptgegenstand der Selbstrepräsentation. Dort zeigen sich die Besatzer in vielen Aufnahmen, entsprechenden Verboten zum Trotz, als nur wenig „abgegrenzt“ von den von ihnen bewachten schwarzen Kriegsgefangenen, die in der französischen Armee gegen die deutschen Aggressoren gekämpft hatten. Als mindestens ebenso komplex erweist sich der Blick des Jugendlichen, dessen Album 1943 die ethnische Vielfalt im südöstlichen Teil Ungarns, der Heimat seiner zur Gruppe der Siebenbürger Sachsen gehörigen Vorfahren, dokumentiert, aber auch das „Deutschtum“ als wichtigen Bezugspunkt einer suchenden visuellen Selbstvergewisserung ausweist.
Published in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 29 (2020), Metropol