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Sind Hörversuche subjektiv? Zur Objektivität akustischer Maße

Weinzierl, Stefan; Maempel, Hans-Joachim

FG Audiokommunikation

Es gibt in der Akustik eine lange Tradition, von 'subjektiven' und 'objektiven' Messwerten, Parametern, Bewertungen oder Kriterien zu sprechen, wie die Titel von über 300 Beiträgen allein im Journal der Acoustical Society of America zeigen. Meist soll durch dieses Begriffspaar zwischen menschlichen, wahrnehmungsbezogenen Beurteilungen einerseits und physikalischen Messwerten oder durch Signalverarbeitung daraus abgeleiteten Messwerten andererseits unterschieden werden. Dies erscheint zunächst intuitiv plausibel, denn Menschen, insbesondere Versuchspersonen (Vpn), werden gerne als Subjekte bezeichnet; im Gegensatz dazu haftet der Messung z.B. eines A-bewerteten Schalldruckpegels oder einer Nachhallzeit etwas Hartes, Physikalisches, Unbestreitbares, und somit scheinbar Objektives an. Ein Problem ergibt sich allerdings dadurch, dass der Begriff Objektivität nicht nur umgangssprachlich verwendet wird, sondern ein etabliertes Gütekriterium für jede Art von Messungen und Tests sowie für wissenschaftliches Arbeiten schlechthin bezeichnet. Es stellt sich daher die Frage, wie sich das wissenschaftstheoretische Verständnis von Objektivität und die Verwendung des Begriffs zur Unterscheidung von menschlichen und technischen Messwerten zueinander verhalten.