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Die Entwicklung der Wohnformen türkischer Migranten in Deutschland am Beispiel von Fallstudien in Kassel

Günes, Nermin

Die Autorin möchte mit dieser Untersuchung einen Beitrag zum besseren Verständnis der Geschichte und der heutigen Situation der größten Gruppe der ehemaligen „Gastarbeiter“ und ihrer Nachkommen leisten. Die Entwicklung der Wohnformen türkischer Migranten in Deutschland hat sich seit der Anwerbung Anfang der 1960er Jahre bis heute grundlegend geändert. Es sind nicht nur starke Veränderungen der äußeren Wohnformen zu beobachten, sondern auch der immateriellen Wohnwerte. Ziel dieser Arbeit ist eine Analyse dieser Veränderungen. Dabei geht es vor allem darum, inwieweit sich die „mitgebrachte“ Wohntradition und Wohnkultur innerhalb einer und der nachfolgenden Generation in einem (vorerst) fremden Land erhalten bzw. verändert haben. Zunächst wird die Architekturgeschichte aus dem Blickwinkel der Migration untersucht. Die Analyse beginnt mit dem Nomadentum, zeigt dann den Weg zur Sesshaftigkeit auf und reicht bis zu den Wohnformen der heutigen Türkei. In einem zweiten Kapitel werden die wesentlichen Phasen der jüngeren türkisch-deutschen Migrationsgeschichte und Migrationspolitik erläutert. Die typischen Wohnstationen und der jeweilige Erkenntnisstand in der Fachliteratur werden aufgezeigt. Auf der Grundlage dieser ersten beiden Kapitel befasst sich der Hauptteil der Untersuchung mit der Auswertung einer von der Autorin durchgeführten empirischen Studie in Kassel, die mit narrativen und standardisierten Interviews arbeitete. Die Auswertung erfolgt getrennt nach Generationen anhand eines kategorialen Schemas, das vorab entwickelt wurde. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse bildet den Abschluss der vorliegenden Arbeit. Anhand dreier verschiedener Entwicklungsmodelle werden die Veränderungen der letzten 60 Jahre in den Bereichen Wohnwerte, Wohnunterkunft, Wohnungseinrichtung, Freunde und Verwandte in Wohnungsnähe, Verhältnis zu Nachbarn, Nutzung der Wohnung, Gastfreundschaft und Kohäsion der Familie aufgezeigt. In der ersten wie auch in der zweiten Generation ist zum Teil sowohl eine Auflösung traditioneller Strukturen, die mit einer Etablierung einer neuen Mischform von türkischen und deutschen Wohngewohnheiten einhergeht, als auch eine Bewahrung von traditionellen Ritualen zu beobachten. Dabei ist zu bedenken, dass die in dieser Arbeit verwendeten soziokulturellen Parameter sich in einem ständigen Wandel befinden und die Ergebnisse lediglich eine Momentaufnahme sind.
With this study the author will contribute towards a better understanding of the history and today's situation of the biggest group of the former 'guest-workers' and their offsprings. The progress of housing patterns of Turkish migrants in Germany changed radically since the recruitment at the beginning of the 1960's till today. There are not only considerable changes in the housing patterns but also in the immaterial housing values. The aim of this study is to analyse these changes. The central focus is on how the inherited housing tradition and housing culture hold up and change respectively in a (for the time being) foreign country within the first and the following generations. In the first chapter the perspective of architectural history will be that of migration. The analysis begins with nomadism, and discusses the way from settledness to housing patterns of today's Turkey. The second chapter deals with the essential phases of the younger Turkish-German migration history and policy. Typical housing stations and the respective state of knowledge will be discussed. Based on the first two chapters the main part of the study deals with the evaluation of a empirical study by the author in Kassel which used narrative and standardised interviews. The evaluation -differentiated by generations- took place on the basis of a categorical table specially developed. In the last chapter the results of the evaluation are summarised. With three different development models the changes in the field of housing values, accommodation, furnishing, friends and relatives nearby, relationship to neighbours, use of the flat, hospitality and cohesiveness to the family over the last 60 years are demonstrated. In the first as well as in the second generation we find a loosening of traditional structures on the one side, which comes along with an establishment of a hybrid of Turkish and German housing habits, as well as a perpetualtion of traditional rituals on the other. There is to consider that the sociocultural parameter used in this work are subject to permanent change and the results therefore are time-bound.