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Judenfeindliche Darstellungen in romantischen Märchen

Jürgens, Peer; Technische Universität Berlin, Zentrum für Antisemitismusforschung

Zentrum für Antisemitismusforschung

Märchen erscheinen oftmals als harmlose Erzählungen, doch viele dieser Texte sind voller Gewalt, Betrug und Vorurteilen. So finden sich etwa in Märchen der Brüder Grimm (Der Jude im Dorn, Der gute Handel) oder von Clemens Brentano (Das Märchen vom Schneider Siebentot auf einen Schlag, Gockel, Hinkel und Gackeleia) Darstellungen von Judenfiguren, die judenfeindliche Motive aufgreifen und verbreiten. Dabei werden diese Figuren in den vier untersuchten Märchen über ihre Physiognomie, ihre Sprache, ihre Namen und ihre Handlungen negativ, teils deutlich abwertend charakterisiert. Während Juden bei den Brüdern Grimm als abwertend-komische Verlachfiguren im Vordergrund stehen, werden sie bei Brentano nicht nur verspottet, sondern sind zudem zentrale Gegenspieler und stellen das personifizierte Böse dar. Die Judenfiguren sind dabei aus zahlreichen Ressentiments zusammengesetzt, die in der Gesellschaft zur Zeit der Romantik verbreitet waren. Sie bedienen vor allem sozial, wirtschaftlich und (zum Teil) religiös geprägten Judenhass. Sowohl die Grimms als auch Brentano haben sich bei der Bearbeitung der Texte bewusst für Judenfiguren entschieden und deren abwertende Charakterisierung bei späteren Ausgaben zum Teil noch verschärft. Brentano geht noch einen Schritt weiter: Er integriert reale jüdische Personen seiner Zeit und betont Juden als bedrohliches Kollektiv. Diese Märchen sind somit Ausdruck der nach Wilhelm Solms „hässlichen Seite der Romantik“ und vermitteln auch heute noch Feindbilder.