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Ein Ansatz zur Unterstützung wissensintensiver Prozesse durch Workflow-Management-Systeme

Goesmann, Thomas

Fak. 4 Elektrotechnik und Informatik

Ein hoher Anteil der in Organisationen durchgeführten Geschäftsprozesse wird in Zukunft wissensintensiv sein. Wissensintensive Prozesse zeichnen sich durch flexible Wissensbedarfe und -ergebnisse aus, sie enthalten Aktivitäten, die oftmals komplexe Entscheidungen beinhalten, und sie erfordern einen geschäftsfallübergreifenden Wissenstransfer. Workflow-Management-Systeme (WFMS) können die Anforderungen, die diese neue Prozessklasse an eine informationstechnische Unterstützung stellt, nur sehr eingeschränkt umsetzen. Die Arbeit unterscheidet die beiden Begriffe primäres und sekundäres Wissen. Primäres Wissen ist für die Bearbeitung jeden Geschäftsfalls relevant, und es wird daher im Prozessmodell des WFMS repräsentiert. Sekundäres Wissen, das in wissensintensiven Prozessen in hohem Maße vorkommt, umfasst dagegen situativ relevantes Wissen, wie Vorgaben bzgl. der Bearbeitung, Erfahrungen, Gründe für Entscheidungen oder Wissen über ähnliche Geschäftsfälle. Es kann nicht sinnvollerweise im Prozessmodell gespeichert werden. Daher bestand das Ziel der Arbeit in der Konzeption eines prozessbezogenen Organizational Memory Information System (OMIS) zur Verwaltung des sekundären Wissens und in der Integration dieser Komponente in ein WFMS. In der Arbeit wird der Begriff des Kontexts eingeführt. Ein Kontext enthält sekundäres Wissen, das für den Workflow-Bearbeiter in einer bestimmten Bearbeitungssituation, wie z.B. der Durchführung einer konkreten Aktivität, relevant ist. Dadurch geben Kontexte einen Strukturierungsrahmen zur Verwaltung sekundären Wissens vor. Workflow-Bearbeiter können integriert in die Workflow-Durchführung auf diese Kontexte zugreifen und erhalten somit relevantes sekundäres Wissen. In der Arbeit wird eine Menge von Kontexttypen dargestellt, die in einem prozessbezogenen OMIS bereitgestellt werden sollten. Ferner wird ein Informationsmodell für Kontextdokumente, d.h. Dokumente, die das in Kontexten gespeicherte sekundäre Wissen repräsentieren, vorgestellt, das auf die unterschiedliche Charakteristik und Funktion sekundären Wissens für die Workflow-Bearbeitung eingeht. Für eine informationstechnische Umsetzung von Kontexten sind WFMS in verschiedener Hinsicht zu erweitern. Anhand einer abstrakten Systemarchitektur für WFMS wird die Integration eines prozessbezogenes OMIS in ein WFMS erläutert. Darauf aufbauend stellt die Arbeit eine prototypische Realisierung des Konzepts anhand des Systems KontextNavigator vor.