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Nietzsches Psychosomatik

Guerreschi, Luca

In Europa nimmt die Anzahl der Menschen, die an nicht oder nicht hinreichend erklärbaren Körperbeschwerden leiden, kontinuierlich zu. Es handelt sich des Öfteren um psychisch bedingte oder mitbedingte Pathologien, mit deren Erforschung und Behandlung sich der Fachbereich ‚psychosomatische Medizin und Psychotherapie‘ beschäftigt. Informell auch Psychosomatik genannt, hat die psychosomatische Medizin und Psychotherapie sämtliche Störungen zum Gegenstand, die im weitesten Sinne eine pathologische Interaktion von physischen und psychischen Zuständen implizieren. Interaktionen dieser Art lassen sich grob in zwei Kategorien unterteilen: ‚Somatopsychisch‘ sind diejenigen, die – metaphorisch gesprochen – überwiegend vom Körper zur Seele hinaufsteigen; ‚psychosomatisch‘ dagegen definiert im engeren Sinne die umgekehrte Richtung. Die häufigsten Erkrankungen der zweitgenannten Klasse bezeichnet man als ‚funktionelle‘ oder ‚somatoforme Störungen‘. Sie sind durch die oft schmerzhafte Beeinträchtigung der Funktion eines oder mehrerer Organe gekennzeichnet, ohne dass pathologische Befunde vorliegen. Von ihnen grenzt sich die seltener auftretende Gruppe der ‚Psychosomatosen‘ dadurch ab, dass in ihrem Fall auch Organläsionen festgestellt werden.
Published in: Nietzscheforschung, 10.1515/NIFO-2019-0016, De Gruyter