Thumbnail Image

Verdrängung von Männer- durch Frauenarbeit? Ein politisch wirkungsmächtiges Klischee auf dem Prüfstand der Reichsstatistik. Untersucht am Beispiel der Metallindustrie, 1895-1933

Kassel, Brigitte

Ein bis heute zählebiges Klischee in der Geschichte der Frauenerwerbsarbeit ist die These von der Verdrängung der Männerarbeit durch billigere Frauenarbeit. Die Angst der Männer vor Verdrängung mag in männlich dominierten Erwerbsbereichen wie der Metallindustrie, die als Fallbeispiel analysiert werden soll, besonders groß gewesen sein. Unbestreitbar ist, daß im freigewerkschaftlichen Deutschen Metallarbeiter-Verband (DMV) Frauenerwerbsarbeit immer unter negativen Vorzeichen diskutiert wurde. Die quantitative Entwicklung der Frauenerwerbsarbeit wurde mißtrauisch verfolgt. Zwar akzeptierte man notgedrungen die ökonomische Notwendigkeit von Frauenerwerbsarbeit, doch die Akzeptanz hatte ihre Grenzen. Diese zeigten sich in aller Deutlichkeit bei der personellen Demobilmachung nach dem Ersten Weltkrieg. Angesichts hoher konjunktureller und struktureller Arbeitslosigkeit gewann schließlich die „Verdrängungsthese", die die Verantwortung für die Mäimerarbeitslosigkeit auf die erwerbstätigen Frauen schob, in den krisenhaften Jahren der Weimarer Republik besondere politische Brisanz.
Published in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte = Economic history yearbook, 10.1524/jbwg.1998.39.1.145, De Gruyter
  • Dieser Beitrag ist mit Zustimmung des Rechteinhabers aufgrund einer (DFG geförderten) Allianz- bzw. Nationallizenz frei zugänglich.
  • This publication is with permission of the rights owner freely accessible due to an Alliance licence and a national licence (funded by the DFG, German Research Foundation) respectively.