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Geriatrie im Krankenhaus oder in der Rehabilitationseinrichtung?

Juristische Aspekte, bestehende Konzepte und Zugangsverfahren für ältere Patienten in Deutschland

Plate, Andreas

1. Einleitung: Bei der medizinischen Versorgung der Bevölkerung übernehmen die Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen eine wichtige Funktion. Die Bundesländer planen die vorgehaltenen Krankenhauskapazitäten. Hingegen unterliegen die Rehabilitationseinrichtungen nicht der staatlichen Planung. Ihre Kapazitäten werden auf Grundlage von Versorgungsverträgen mit den Krankenkassen bestimmt. Der Anteil von älteren Patienten steigt im deutschen Gesundheitswesen an. Die medizinische Disziplin der Geriatrie (Altersmedizin) widmet sich der Versorgung von alten und multimorbiden Patienten. In Deutschland findet die Geriatrie regional unterschiedlich in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen statt. Zu der Frage, welche Konzepte für die Geriatrie in den Bundesländern im Rahmen der Krankenhausplanung verfolgt werden, existierten bisher weder juristische noch gesundheitswissenschaftliche Arbeiten. 2. Methode: Die Untersuchung subsumiert die geriatrische Behandlung unter die Vorschriften der Gesetzlichen Krankenversicherung (SGB V). Weitergehend analysiert die Arbeit die sozialrechtliche Trennung von Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen nach § 107 SGB V, indem die gesetzlichen Merkmale beider Versorgungsformen herausgearbeitet und auf geriatrische Kliniken übertragen werden. In einem schematischen Vergleich werden die Krankenhauspläne der Bundesländer und die Konzepte für die geriatrische Versorgung erfasst. Die jeweiligen Kapazitäten in geriatrischen Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen sind aufgeführt. Anschließend werden die Kapazitäten ins Verhältnis zu dem Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre gesetzt. Jedes Bundesland wird daraufhin untersucht, ob eine landesweite spezifische Regelung für den Zugang von Patienten in geriatrische Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen existiert. Die neue Datengrundlage für die Krankenhausplanung nach Einführung eines diagnosebezogenen durchgängig pauschalierten Vergütungssystem (Diagnosis Related Groups (DRG)-System) wird anhand der Regelung des Krankenhausentgeltgesetzes herausgearbeitet. Ferner werden die Auswirkungen der Einführung eines DRG-Systems auf die Krankenhausplanung und die geriatrische Versorgung analysiert. 3. Ergebnisse: Bei der Subsumtion der geriatrischen Behandlung unter die Vorgaben im SGB V ergeben sich Abgrenzungsprobleme zwischen Krankenhausbehandlung und Leistungen zur medizinischen Rehabilitation. Eine schematische Trennung zwischen beiden vor genannten Behandlungsformen verhindert eine kontinuierliche Behandlung von älteren multimorbiden Patienten. Die Schwierigkeiten der Abgrenzung setzten sich bei der sozialrechtlichen Trennung zwischen Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen fort. Beim Vergleich der Bundesländer und deren Planungen für die geriatrische Versorgung ergaben sich drei Kategorien der Versorgung: geriatrische Versorgung nur in Krankenhäusern, gemischte Versorgung in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen oder Versorgung in geriatrischen Rehabilitationseinrichtungen. Die geriatrischen Kapazitäten im Verhältnis zur Bevölkerung über 65 Jahre sind in Hamburg und im Saarland am höchsten, in Schleswig-Holstein und Niedersachsen finden sich die wenigsten Kapazitäten. Ein weiteres Ergebnis ist die entscheidende Rolle der Bundesländer bei der Schaffung geriatrischer Kapazitäten. Jedoch ist diese Rolle aufgrund verfassungsrechtlicher Bestimmungen auf den Krankenhaussektor beschränkt. Landesweite Regelung über den Zugang älterer Patienten in geriatrische Kliniken existieren in Bremen und Bayern. In Bayern besteht ein Vertrag auf sozialrechtlicher Basis (§ 112 SGB V). Mit der Einführung des DRG-Systems ergibt sich eine umfassende Datengrundlage für die Krankenhausplanung, die eine Abkehr von der Planungseinheit Bett erfordert. Die Einführung dieses neuen Vergütungssystems im Bereich Geriatrie macht die kostenmäßige Berücksichtigung der Multimorbidität von Patienten und eine Anpassung hinsichtlich der frührehabilitativen Komponente der Behandlung in geriatrischen Krankenhäusern notwendig. 4. Schlussfolgerungen: Die geriatrische Versorgung in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen ist in den 16 Bundesländern durch erhebliche Unterschiede gekennzeichnet. Dies machen insbesondere die unterschiedlichen Kapazitäten deutlich. Die Bundesländer sind entscheidend verantwortlich dafür, ob Geriatrie im Krankenhaus oder in der Rehabilitationseinrichtung erbracht wird. Aus rechtlichen Gründen können die Bundesländer nur eine genaue Planung für die Geriatrie im Krankenhausbereich vornehmen. Insgesamt erscheint eine stärkere Berücksichtigung der geriatrischen Versorgung im deutschen Gesundheitswesen sinnvoll, um die zunehmende Zahl älterer Patienten angemessen zu versorgen.