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Religion und Populärkultur im 21. Jahrhundert – Differenzierungen und Entgrenzungen

Haken, Meike; Sammet, Kornelia

Die Frage nach Rolle und Bedeutung populärer Kultur für Phänomene im Bereich der Religion ist seit den 1990er-Jahren insbesondere im angelsächsischen Raum Gegenstand sowohl einzelner sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Studien (z. B. McDannell 1995; Lynch 2007; Possamai 2005; Partridge 2009) als auch ganzer Kompendien (z. B. Fechtner 2005; Schlehe und Sandkühler 2014; Lyden und Mazur 2015). Was dabei aber dieses „Populärkulturelle“ ist, bleibt zumeist unklar, und es herrscht – verstärkt durch den Einfluss angelsächsischer Forschung im Zeitalter von Globalisierungsprozessen – kaum Einigkeit darüber. Im deutschsprachigen Raum können seit Ende des letzten Jahrtausends grob zwei Perspektiven auf das Verhältnis von Religion und Kultur im Allgemeinen sowie Religion und populärer Kultur im Besonderen ausgemacht werden. Auf der einen Seite wird – in Anschluss an Max Webers Unterscheidung von Wertsphären ([1920] 1988, S. 536–573) mit ihren jeweiligen „innere(n) Eigengesetzlichkeiten“ (541) und Logiken (Tyrell 2017; Sammet 2020, S. 161ff.) sowie an Luhmanns Theorie funktionaler Differenzierung – Religion in Hinblick auf ihre Funktion und ihr Bezugsproblem sowie den damit verbundenen Semantiken und Codes von anderen gesellschaftlichen Teilbereichen unterschieden (Luhmann 1987, 1998; Pollack 1995; Krech 2019). Wechselseitige Anleihen von Religion und Populärkultur sind dementsprechend als Grenzarbeiten oder (De‑)Sakralisierungsprozesse zu verstehen (Krech 2019). Eßbachs (2014) kompetetive Differenzierung arbeitet in historischer Perspektive heraus, wie neue Formen von Religion, die aufgrund der zunehmenden Bedeutung des Populären entstehen und die Grenzen zu anderen Gesellschaftsbereichen verwischen, mit bereits bestehenden Formen in Konkurrenz treten.
Published in: Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik, 10.1007/s41682-021-00094-w, Springer Nature