Thumbnail Image

Die Kirche San Zaccaria in Venedig

Rosemann, Andrea

Kirche und Kloster von San Zaccaria repräsentieren einen guterhaltenen Baukomplex venezianischer Architektur des Quattrocento. Die heutige Pfarrkirche San Zaccaria entstand ab 1458. Zwei ausführende Baumeister lassen sich gesichert aus den Arbeitsbüchern nachweisen, Antonio Gambello (1458--1481) und Mauro Codussi (ab 1483). Bereits der ersten Bauphase entstammen die maßgeblichen Entscheidungen für den Grundriß des dreischiffigen Langhauses mit polygonalem Chor. Bestimmt wird die außergewöhnliche Kombination von Kirchenschiff mit dominantem Zentralbauabschluß durch ein Heiliges Grab nach Jerusalemer Vorbild: Der eingestellte zweigeschossige Innenchor mit Spitzbögen über Rundbögen kann als Interpretation der dortigen Heilig-Grab-Architektur angesehen werden. Die Architektur der ausgehenden Gotik sowie die neuen Einflüsse der Renaissancekunst prägten das einmalige Erscheinungsbild San Zaccarias in der ersten Bauphase. Die zeitgleich in Venedig entstandene Malerei der Vivarini sowie die prominenten Bauten Bartolomeo Bons beeinflußten den Formenschatz San Zaccarias direkt. Die Schmuckformen an den unteren zwei Fassadengeschossen und die Steinbearbeitung im Innenraum deuten aber ebenso auf florentinische und antike Strömungen hin, für die nicht nur Antonio Gambello verantwortlich sein dürfte. Mauro Codussi verwandelte San Zaccaria mit seinen Kuppeln und Wölbungen im Innenraum und dem abgewandelten Triumphbogenmotiv an der Fassade in eine Kirchenarchitektur, die zu den reifen Renaissancebauten in Venedig hinüberleitet. Den notwendigen Planwechsel realisierte er so einfühlsam, daß sich die Baunähte nur an einigen wenigen Stellen offenbaren. Die Motive aus Malerei, Skulptur sowie Kunsthandwerk (z. B. das hölzerne Chorgestühl) scheinen in San Zaccaria fließend ineinander überzugehen. Der Repräsentationslust der wohlhabenden Nonnen entsprechend entstand dieser prachtvolle und in einigen Bauformen und Details einmalige Kirchenbau. Die frühe Gründung um 827 sowie die seit den Anfängen stattfindende alljährliche Dogenprozession am Ostermorgen bestimmte die Architektur, indem romanische Anklänge auch im Neubau angestimmt wurden. Diese Verbindung setzte die Tradition der Lokalarchitektur fort und bot zugleich für das Heilige Grab den adäquaten Rahmen.