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Das „Moralnarrativ“ zur Rettung der griechischen jüdischen Bevölkerung

Droumpouki, Anna Maria; Technische Universität Berlin, Zentrum für Antisemitismusforschung

Zentrum für Antisemitismusforschung

Der im kollektiven griechischen Gedächtnis verankerte „Mythos des guten Christen“, der der jüdischen Bevölkerung während der nationalsozialistischen Besatzung gegenüber Solidarität ausübte, hält bis heute an. Dieses Narrativ war für die Nachkriegszeit insofern von Bedeutung, als es das Zusammenleben mit den zurückkehrenden Juden ermöglichte. Unterschiedliche Erinnerungsstrategien zur Rettung der Jüdinnen und Juden in Griechenland müssen dekonstruiert werden, da die Erzählungen derjenigen, die tatsächlich durch christliche Bemühungen gerettet wurden, die stille Mehrheit derer überschatten, die umgebracht wurden oder trotz mangelnder Solidarität überlebten. In dieser Studie wird ausgearbeitet, dass das plötzlich wachsende Interesse an den griechischen „Gerechten unter den Völkern“ und an der Rettung der jüdischen Bevölkerung Griechenlands aus einer offiziellen griechischen Politik resultiert und somit sozusagen ein diplomatisches Instrument vor allem für das griechische Außenministerium darstellt. Diese nationalen „Agenten des Gedächtnisses“ betonen kollektives Handeln und Solidarität und verwischen dabei häufig die Besonderheiten einzelner Rettungsaktionen. Indem zur Betonung der griechischen Solidarität einige Aspekte der Vergangenheit gegenüber anderen hervorgehoben oder verschönert werden, wird eine inhärent unausgewogene „selektive Erinnerung“ gefördert. Die vorliegende Abhandlung beleuchtet zudem die kulturellen Hauptmerkmale des offiziellen Gedenkens an die jüdische Rettung.